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Kilian Beutel Datum:Tuesday, 21. June 2005
Von:

Kilian Beutel

An: kbeutel@politik-digital.de
URL: keine

Über das Verhalten im Raum der Information


Die Informationsgesellschaft ist mittlerweile in den Köpfen der Menschen angekommen. Die Informationsethik noch nicht. Immer noch handelt es sich dabei um eine weithin unbekannte Disziplin der Philosophie. Zunächst nicht verwunderlich, findet doch auch der Weltgipfel zur Informationsgesellschaft am Rande der gesellschaftlichen Wahrnehmungsschwelle statt.

Verwunderlich ist allerdings, dass auch in der zivilgesellschaftlichen WGIG-Szene, Informationsethik als Wissenschaft kaum eine Rolle spielt. Ganz im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen es teilweise schon seit den 60-iger Jahren Lehrstühle für Computer-Ethik gibt, beispielsweise in den USA, wird Informationsethik in Deutschland erst langsam bekannt. Auch im Wissensschaftsbetrieb, an den philosophischen Instituten, etwa in Deutschland, ist diese Disziplin noch keineswegs vollständig etabliert. Lediglich eine kleine aber weltweit vernetzte Forschungsgemeinschaft arbeitet auf diesem Gebiet.

Diese Randlage ist umso erstaunlicher, schaut man sich das Wirkungsfeld von Informationsethik an. Dabei stellt man fest, dass Informationsethik keineswegs ein Nischenprodukt weltvergessener Philosophen ist, sondern alle Lebensbereiche durchdringt und dies weltweit und grenzenlos. Denn bildet nicht die Information die Grundlage allen Miteinanders? Daher ist Informationsethik natürlich keine grundsätzlich neue Disziplin, die erst seit dem "Informationszeitalter" existiert. Der Umgang mit Information ist der Philosophie geradezu immanent. Schon die Griechen machten sie zum Gegenstand ihrer Untersuchungen. Das "Informationszeitalter" bildet vielleicht nur den Rahmen den Umgang mit Information "sexy" zu gestalten, plötzlich ist eine alte Wissenschaft "en Vogue" weil sie sich an der Spitze eine Revolution befindet. Der digitalen Revolution. Hier betreten wir tatsächlich Neuland, mit der digitalen Informationsverarbeitung werden Möglichkeiten geschaffen, die Welt und ihre Information als digitales Abbild ihrer selbst zu schaffen. Unendlich reproduzierbar unterschiedslos zwischen Orginal und Kopie.

Mit der digitalen Revolution und der Abbildung in Nullen und Einsen ist ein neuer, digitaler Weltentwurf entstanden. Die Regeln wer wem was mitteilen darf, müssen immer neu verhandelt, bewertet werden. Mit der Bedeutung dieses neuen Weltentwurfs, der Frage nach einem neuen Sein im Cyberspace und der Reflexion über das Verhältins von Macht und Zugang zu Information und der Bedeutung dieser Verregelung, damit, und nicht mit weniger,
beschäftigt sich Informationsethik.

Welche Bedeutung, hat nun die digitale Revolution und hat mit ihrem globalen Siegeszug eine neue universale Ethik Einzug gehalten, unabhängig von kulturellen Räumen und geographischen Grenzen? Oder ist Informationsethik nur eine von vielen Möglichkeiten dem heutigen handelnden Menschen an die Hand zu gehen?

gipfelthemen.de sprach mit Rafael Capurro, Professor für Informationswissenschaft und Informationsethik an der Hochschule der Medien (HdM), Gründer des International Center for Information Ethics (ICIE) und Herausgeber der International Review of Information Ethics (IRIE), über die digitale Kultur und die "Hauptaufgabe der Informationsethik, die Relativität des digitalen Weltentwurfs im Informationsbereich aufzudecken."
Weitere Themen des Email-Gesprächs waren neben den digitalen Herausforderungen für die Ethik, die Bedeutung der Informationsethik für die Überwindung der digitalen Gräben und die Möglichkeiten einer Informationsethik als Moderator im interkulturellen Dialog.

Capurro, dessen Denken in der Tradition Heideggers wurzelt, ist der Entdecker einer digitalen Ontologie d.h. der Möglichkeit, "dass die digitale Technik alle Lebenssbereiche durchdringt und somit als ein Seins- oder Weltentwurf aufgefasst werden kann."
Über sich selbst sagt er: "In mancher Hinsicht denke ich, zumindest auf den ersten Blick, mit Heidegger gegen Heidegger, d.h. ich versuche selbst zu denken. Selbst zu denken, heißt aber immer mit anderen zu denken."

Einen ersten Einblick in das Denken Capurros gibt dieses elftteilige Interview. Lesen Sie die Antworten Capurros in unserer Serie "Über das Verhalten im Raum der Information".

Rafael Capurro ist Autor der Werke "Informationsethik" und "Leben im Informationszeitalter " und Mitherausgeber der Schriftenreihe des ICIE beim Fink-Verlag und Veranstalter des von der VolkswagenStiftung finanzierten Symposiums "International ICIE Symposium 2004.

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Erschienen bei gipfelthemen.de am 31.05.2005

 

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