Über das
Verhalten im Raum der Information Teil 8
gipfelthemen.de sprach mit Rafael
Capurro, Professor für Informationswissenschaft und
Informationsethik an der Hochschule der Medien (HdM),
Gründer des International Center for Information Ethics
(ICIE) und
Herausgeber der International Review of Information Ethics
(IRIE),
über die digitale Kultur und die "Hauptaufgabe der
Informationsethik, die Relativität des digitalen Weltentwurfs
im Informationsbereich aufzudecken."
8.Sie sprechen vom "Gespenst des
moralischen Relativismus". Universale Moraltheorien (Ich
denke da etwa an Höffe oder Gewirth) verzichten aber
häufig auf jeglichen kulturellen Ballast und werden damit
recht schnell bedeutungsarm (etwa: "Der Mensch hat Menschenrechte,
weil er ein Mensch ist"). Kann die Informationsethik
da einen Ausweg bieten?
Universelle Moraltheorien sind weitgehend
ein Produkt westlichen Denkens. Sie gründen auf dem Primat
von Sprache und Reflexion. Aber auch in unserer Tradition
findet man bedeutsame nicht-intellektualistische Ethik-Theorien,
angefangen mit Aristoteles selbst oder auch mit einem nicht-platonistischen
Sokrates, bei dem es nicht nur auf ein Begreifen, sondern
ebenso sehr auf ein Einüben von Verhaltensregeln ankommt.
Der Biologe Francisco Varela hat diesen Ansatz eines auf die
Leiblichkeit hin bedachten „ethischen Könnens“
in einer Vorlesungsreihe eindrucksvoll dargelegt. Die an die
antike Tradition der „Selbstsorge“ anknüpfende
Ethik bei Michel Foucault und Pierre Hadot in Frankreich sowie
bei Wilhelm Schmid in Deutschland zeigen den Sinn einer ethischen
Reflexion, die sich nicht auf die Aufgabe der Begründung
universaler Normen beschränkt, sondern existentielle
Grundfragen thematisiert. Da wir in einer von den digitalen
Medien geprägten Kultur leben, sollten wir klassische
Themen der Ethik wie zum Beispiel Freundschaft, Lust, Tod
oder Zeit im Rahmen einer Informationsethik behandeln. Eine
Ethik der Lebenskunst, in der das „Leben im Cyberspace“
als Sonderkapitel vorkommt, erfasst die umfassende existentielle
Brisanz der digitalen Weltvernetzung nicht.
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Erschienen
bei gipfelthemen.de
am 31.05.2005
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