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Kilian Beutel Datum:Thursday, 18. August 2005
Von:

Kilian Beutel

An: kbeutel@politik-digital.de
URL: keine

Über das Verhalten im Raum der Information Teil 8

gipfelthemen.de sprach mit Rafael Capurro, Professor für Informationswissenschaft und Informationsethik an der Hochschule der Medien (HdM), Gründer des International Center for Information Ethics (ICIE) und Herausgeber der International Review of Information Ethics (IRIE), über die digitale Kultur und die "Hauptaufgabe der Informationsethik, die Relativität des digitalen Weltentwurfs im Informationsbereich aufzudecken."

8.Sie sprechen vom "Gespenst des moralischen Relativismus". Universale Moraltheorien (Ich denke da etwa an Höffe oder Gewirth) verzichten aber häufig auf jeglichen kulturellen Ballast und werden damit recht schnell bedeutungsarm (etwa: "Der Mensch hat Menschenrechte, weil er ein Mensch ist"). Kann die Informationsethik da einen Ausweg bieten?

Universelle Moraltheorien sind weitgehend ein Produkt westlichen Denkens. Sie gründen auf dem Primat von Sprache und Reflexion. Aber auch in unserer Tradition findet man bedeutsame nicht-intellektualistische Ethik-Theorien, angefangen mit Aristoteles selbst oder auch mit einem nicht-platonistischen Sokrates, bei dem es nicht nur auf ein Begreifen, sondern ebenso sehr auf ein Einüben von Verhaltensregeln ankommt. Der Biologe Francisco Varela hat diesen Ansatz eines auf die Leiblichkeit hin bedachten „ethischen Könnens“ in einer Vorlesungsreihe eindrucksvoll dargelegt. Die an die antike Tradition der „Selbstsorge“ anknüpfende Ethik bei Michel Foucault und Pierre Hadot in Frankreich sowie bei Wilhelm Schmid in Deutschland zeigen den Sinn einer ethischen Reflexion, die sich nicht auf die Aufgabe der Begründung universaler Normen beschränkt, sondern existentielle Grundfragen thematisiert. Da wir in einer von den digitalen Medien geprägten Kultur leben, sollten wir klassische Themen der Ethik wie zum Beispiel Freundschaft, Lust, Tod oder Zeit im Rahmen einer Informationsethik behandeln. Eine Ethik der Lebenskunst, in der das „Leben im Cyberspace“ als Sonderkapitel vorkommt, erfasst die umfassende existentielle Brisanz der digitalen Weltvernetzung nicht.

 

 

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Erschienen bei gipfelthemen.de am 31.05.2005

 

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