Über das
Verhalten im Raum der Information Teil 7
gipfelthemen.de sprach mit Rafael
Capurro, Professor für Informationswissenschaft und
Informationsethik an der Hochschule der Medien (HdM),
Gründer des International Center for Information Ethics
(ICIE) und
Herausgeber der International Review of Information Ethics
(IRIE),
über die digitale Kultur und die "Hauptaufgabe der
Informationsethik, die Relativität des digitalen Weltentwurfs
im Informationsbereich aufzudecken."
7.Bisherige ethische Systeme
haben zwar auch oft einen universellen Anspruch (etwa diejenigen
Kants, Rortys oder etwa das Christentum), haben sich aber,
da mit bestimmten Kulturen (oder geographischen Räumen)
verwoben, zunächst geographisch ausgebildet. So sind
Utilitarismus oder Kantianismus klar geographischen Räumen
(Nordamerika, Europa) zuzuordnen. Soll Informationsethik hier
die Rolle einer Metaethik einnehmen?
Unter Metaethik versteht man eine theoretische
Analyse der ethischen Aussagen bezüglich ihrer sprachlichen
Form, einschließlich der nicht-sittlichen Verwendung
ethischer Termini. Worauf Sie aber offenbar anspielen, ist
die Möglichkeit eines trans- oder metakulturellen ethischen
Diskurses. Wir sollten in der Philosophie generell und somit
auch in der Informationsethik zwischen einem bloßen
multikulturellen Ansatz, bei dem es um ein bloßes Nebeneinanderreihen
von ethischen Paradigmen aus unterschiedlichen Epochen und
Gesellschaften geht und einem interkulturellen Dialog unterscheiden.
Dessen primäres Ziel ist es aber nicht, wie im Falle
politischer Diskurse, Konsense oder pragmatische Kompromisse
zu suchen, sondern jene Unterschiede herauszuarbeiten, die
uns erlauben, die Begrenztheit der eigenen Perspektive kritisch
wahrzunehmen, ohne zu glauben, dass wir uns sozusagen auf
kulturell neutralem Boden treffen müssen, wenn wir über
Moral miteinander reden wollen. Das Gegeneinander Ausspielen
von universalistischen Diskursen und relativistischen Moralvorstellungen
führt in die Irre.
Mit anderen Worten, die Aufgabe eines transkulturellen
oder kulturübergreifenden ethischen Dialogs lässt
sich nicht ohne den interkulturellen – Kant würde
ihn kategorial nennen – Weg realisieren. Eine universale
kulturübergreifende Verständigung sowohl im Sinne
einer ethischen Theorie als auch im Sinne eines Moralkodex
ist eine im Kantischen Sinne regulative Idee. Es besteht immer
die Gefahr, eine solche Idee, die sich immer in einer konkreten
historisch bedingten Begrifflichkeit manifestiert, für
die Sache selbst zu halten, was zu theoretischen und/oder
praktischen dogmatischen Positionen führt auch und gerade,
wenn sie sich universal wähnen. Die Informationsethik
ist außerdem eine Bereichsethik und sollte sich nicht
zur „Metaethik“ hochstilisieren, wenn sie nicht
zur Ideologie des Informationszeitalters ausarten will.
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Erschienen
bei gipfelthemen.de
am 31.05.2005
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