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Kilian Beutel Datum:Tuesday, 21. June 2005
Von:

Kilian Beutel

An: kbeutel@politik-digital.de
URL: keine

Über das Verhalten im Raum der Information Teil 7

gipfelthemen.de sprach mit Rafael Capurro, Professor für Informationswissenschaft und Informationsethik an der Hochschule der Medien (HdM), Gründer des International Center for Information Ethics (ICIE) und Herausgeber der International Review of Information Ethics (IRIE), über die digitale Kultur und die "Hauptaufgabe der Informationsethik, die Relativität des digitalen Weltentwurfs im Informationsbereich aufzudecken."

7.Bisherige ethische Systeme haben zwar auch oft einen universellen Anspruch (etwa diejenigen Kants, Rortys oder etwa das Christentum), haben sich aber, da mit bestimmten Kulturen (oder geographischen Räumen) verwoben, zunächst geographisch ausgebildet. So sind Utilitarismus oder Kantianismus klar geographischen Räumen (Nordamerika, Europa) zuzuordnen. Soll Informationsethik hier die Rolle einer Metaethik einnehmen?

Unter Metaethik versteht man eine theoretische Analyse der ethischen Aussagen bezüglich ihrer sprachlichen Form, einschließlich der nicht-sittlichen Verwendung ethischer Termini. Worauf Sie aber offenbar anspielen, ist die Möglichkeit eines trans- oder metakulturellen ethischen Diskurses. Wir sollten in der Philosophie generell und somit auch in der Informationsethik zwischen einem bloßen multikulturellen Ansatz, bei dem es um ein bloßes Nebeneinanderreihen von ethischen Paradigmen aus unterschiedlichen Epochen und Gesellschaften geht und einem interkulturellen Dialog unterscheiden. Dessen primäres Ziel ist es aber nicht, wie im Falle politischer Diskurse, Konsense oder pragmatische Kompromisse zu suchen, sondern jene Unterschiede herauszuarbeiten, die uns erlauben, die Begrenztheit der eigenen Perspektive kritisch wahrzunehmen, ohne zu glauben, dass wir uns sozusagen auf kulturell neutralem Boden treffen müssen, wenn wir über Moral miteinander reden wollen. Das Gegeneinander Ausspielen von universalistischen Diskursen und relativistischen Moralvorstellungen führt in die Irre.

Mit anderen Worten, die Aufgabe eines transkulturellen oder kulturübergreifenden ethischen Dialogs lässt sich nicht ohne den interkulturellen – Kant würde ihn kategorial nennen – Weg realisieren. Eine universale kulturübergreifende Verständigung sowohl im Sinne einer ethischen Theorie als auch im Sinne eines Moralkodex ist eine im Kantischen Sinne regulative Idee. Es besteht immer die Gefahr, eine solche Idee, die sich immer in einer konkreten historisch bedingten Begrifflichkeit manifestiert, für die Sache selbst zu halten, was zu theoretischen und/oder praktischen dogmatischen Positionen führt auch und gerade, wenn sie sich universal wähnen. Die Informationsethik ist außerdem eine Bereichsethik und sollte sich nicht zur „Metaethik“ hochstilisieren, wenn sie nicht zur Ideologie des Informationszeitalters ausarten will.

 

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Erschienen bei gipfelthemen.de am 31.05.2005

 

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