Gipfelthemen politik-digital.de
DGVN
  HOMEPAGE
 DIGITALE SPALTUNG
Leitungen & Festplatten
Medien & Kompetenz
Inhalte & Vorbilder
 WELTWEITE TRENDS
Wissen & Besitz
Multi & Kulti
Beteiligung & Spielregeln
 VIRTUELLE SICHERHEIT
Piraten & Terroristen
Daten & Schutz
 GLOBALE GEMEINSCHAFT
UNO & Info-Gesellschaft
Gipfel & Reformen
 COMMUNITY
Forum
Kalender
Linkliste
 PARTNER
Unterstützer
Medienpartner Interaktivpartner
 ÜBER UNS
Über dieses Projekt
DGVN
politik-digital
 KONTAKT/IMPRESSUM
Suche:
Gipfelthemen-Info:
Weitere Informationen erhalten Sie im kostenlosen Newsletter von politik-digital.de:
 
Wissen & Besitz
SERVICE-FUNKTIONEN
Artikel verschicken
Druckversion erstellen
Ihr Kommentar
Kilian Beutel Datum:Thursday, 21. July 2005
Von:

Kilian Beutel

An: kbeutel@politik-digital.de
URL: keine

Über das Verhalten im Raum der Information Teil 4:

Vom Verhältnis von Körperlichkeit und Virtualität

gipfelthemen.de sprach mit Rafael Capurro, Professor für Informationswissenschaft und Informationsethik an der Hochschule der Medien (HdM), Gründer des International Center for Information Ethics (ICIE) und Herausgeber der International Review of Information Ethics (IRIE), über die digitale Kultur und die "Hauptaufgabe der Informationsethik, die Relativität des digitalen Weltentwurfs im Informationsbereich aufzudecken."

4.Wie verhält sich Kultur zu Ethik und welche Probleme entstehen durch die Loslösung von beidem von der Körperlichkeit hin zu einer virtuellen Sphäre?

Ethik im Sinne von Reflexion über Moral betrifft auch die Grundlagen der Kultur. Die heutige digitale Kultur, die Sie ansprechen, bewirkt in der Tat ein Absehen leiblicher Dimensionen des Menschseins sowie generell ein Absehen der materiellen Lebensgrundlagen. Im Unterschied aber zu metaphysischen oder religiösen Traditionen, bei denen ein solches Absehen mit Bezug auf einer höheren geistigen Sphäre vorkommt, erschöpft sich die digitale Kultur nicht in der Schaffung der virtuellen Sphäre, sondern sie beansprucht zugleich die Perspektive der Digitalisierbarkeit aller Phänomene als den königlichen Weg zur Wahrheitsfindung. So gesehen, sind alle Phänomene erst in ihrem Sein erfasst, wenn sie digitalisiert sind. Ich spreche von einer digitalen Ontologie im Heideggerschen Sinne eines Weltentwurfs, der den Zeitgeist einer ganzen Epoche, der unseren, ausmacht, ohne dass seine Konturen für alle deutlich sind.

Die Relativität eines Weltentwurfs wird erst sichtbar, wenn wir ihn in Zusammenhang mit anderen in Verbindung setzen. Die politische Brisanz solcher Entwürfe erkennen wir zum Beispiel an der Auseinandersetzung zwischen Idealismus und Materialismus im 19. Jahrhundert – der dialektische Materialismus wurde bekanntlich zur Staatsdoktrin eines totalitären Imperiums und der Biologismus in Form von Rassismus zur Grundlage des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte –, oder an der Vorstellung der Weltschöpfung durch einen transzendenten Gott, oder am antiken Gedanken der Natur (physis) als eines unaufhörlichen Prozesses der Hervorbringung der Phänomene. Ich sehe deshalb als eine Hauptaufgabe der Informationsethik darin, die Relativität des digitalen Weltentwurfs im Informationsbereich aufzudecken. Im Falle seiner Verabsolutierung, wofür ich den Begriff Informatismus benutze, dient er auch als Grundlage des Kapitalismus dar. Das Platzen der E-Economy bedeutet keineswegs, dass die Gefahr einer nicht nur ökonomischen, sondern auch politischen Instrumentalisierung der Weltvernetzung gebannt wäre. Im Klartext, wir müssen auf die qualitativen Unterschiede medialer Kommunikation achten und der Versuchung des digitalen Reduktionismus widerstehen. Das ist nicht nur eine theoretische, sondern vor allem auch eine große politische, soziale, kulturelle und pädagogische Aufgabe, die sich nicht von heute auf morgen und auch nicht allein mit Hilfe abstrakter universaler Prinzipien und Forderungen lösen lässt. Die Arbeit über den richtigen oder angemessenen Umgang mit den digitalen Medien findet bereits in der Familie und in der Schule statt. Sie ist Teil dessen, was wir heute mit dem Begriff Lebenskunst bezeichnen und was man früher Bildung nannte.

 

 

Zurück zur Übersicht

Erschienen bei gipfelthemen.de am 31.05.2005

 

  • Zurück zur Rubrik "Wissen & Besitz"
  • Zum Forum "Wissen & Besitz"
NACH OBEN © Copyright 1998-2010 pol-di.net e.V. Alle Rechte vorbehalten.
Weiternutzung der Inhalte nur unter folgenden Bedingungen.
politik-digital Datenschutzrichtlinie.