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Kilian Beutel Datum:Tuesday, 21. June 2005
Von:

Kilian Beutel

An: kbeutel@politik-digital.de
URL: keine

Über das Verhalten im Raum der Information Teil 3

gipfelthemen.de sprach mit Rafael Capurro, Professor für Informationswissenschaft und Informationsethik an der Hochschule der Medien (HdM), Gründer des International Center for Information Ethics (ICIE) und Herausgeber der International Review of Information Ethics (IRIE), über die digitale Kultur und die "Hauptaufgabe der Informationsethik, die Relativität des digitalen Weltentwurfs im Informationsbereich aufzudecken."

3.Dieser neue Raum der digitalen Weltvernetzung hat keine geographischen Grenzen. Zugang zu ihm wird nicht durch die Zugehörigkeit zu einem Land oder kulturellem Raum gewährt, sondern durch technischen Zugang. Welche Rolle spielt der "digitale Graben" in ihren Überlegungen?

Das Internet ist nicht die erste Technik, die soziale und ökonomische Unterschiede vertieft. Da sie aber mit dem Kitt jeder menschlichen Gesellschaft, nämlich mit der symbolischen Kommunikation, zu tun hat, sind die Auswirkungen der digitalen Spaltung besonders gravierend. Der dafür benutzte englische Ausdruck digital divide verwischt die Tatsache, dass ein Unterschied noch Lange keine Spaltung bedeutet. Letztere meint der tolerierte oder gar angestrebte willentliche Ausschluss Anderer und stellt sich somit als eine Frage der Gerechtigkeit oder, genauer, der Netzgerechtigkeit dar. Mit diesem Thema befaßt sich das Buch "Vernetzt gespalten. Der Digital Divide in ethischer Perspektive" (München 2004),
herausgegeben von Rupert Scheule, Thomas Hausmanninger und mir selbst. Ich spreche von einer ausgleichenden Gerechtigkeit im Sinne der Chancengleichheit beim Netzzugang sowie von einer austeilenden Gerechtigkeit in Bezug auf die Verteilung von Hard- und Software. Die vom WSIS entwickelten theoretischen Prinzipien und Handlungspläne weisen eindeutig in diese Richtung hin. Die Problematik ist besonders brisant, wenn man sie auch als eine kulturpolitische auffasst. Es liegt der Verdacht nahe, dass unter dem Vorwand der Aufhebung der digitalen Spaltung letztlich neue Formen von kulturellem Kolonialismus entstehen können, die genau so fragwürdig sind, wie die des willentlichen Ausschlusses Anderer.

 

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Erschienen bei gipfelthemen.de am 31.05.2005

 

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