Über das
Verhalten im Raum der Information Teil 3
gipfelthemen.de sprach mit Rafael
Capurro, Professor für Informationswissenschaft und
Informationsethik an der Hochschule der Medien (HdM),
Gründer des International Center for Information Ethics
(ICIE) und
Herausgeber der International Review of Information Ethics
(IRIE),
über die digitale Kultur und die "Hauptaufgabe der
Informationsethik, die Relativität des digitalen Weltentwurfs
im Informationsbereich aufzudecken."
3.Dieser neue Raum der digitalen
Weltvernetzung hat keine geographischen Grenzen. Zugang zu
ihm wird nicht durch die Zugehörigkeit zu einem Land
oder kulturellem Raum gewährt, sondern durch technischen
Zugang. Welche Rolle spielt der "digitale Graben"
in ihren Überlegungen?
Das Internet ist nicht die erste Technik,
die soziale und ökonomische Unterschiede vertieft. Da
sie aber mit dem Kitt jeder menschlichen Gesellschaft, nämlich
mit der symbolischen Kommunikation, zu tun hat, sind die Auswirkungen
der digitalen Spaltung besonders gravierend. Der dafür
benutzte englische Ausdruck digital divide verwischt die Tatsache,
dass ein Unterschied noch Lange keine Spaltung bedeutet. Letztere
meint der tolerierte oder gar angestrebte willentliche Ausschluss
Anderer und stellt sich somit als eine Frage der Gerechtigkeit
oder, genauer, der Netzgerechtigkeit dar. Mit diesem Thema
befaßt sich das Buch "Vernetzt gespalten. Der Digital
Divide in ethischer Perspektive" (München 2004),
herausgegeben von Rupert Scheule, Thomas Hausmanninger und
mir selbst. Ich spreche von einer ausgleichenden Gerechtigkeit
im Sinne der Chancengleichheit beim Netzzugang sowie von einer
austeilenden Gerechtigkeit in Bezug auf die Verteilung von
Hard- und Software. Die vom WSIS entwickelten theoretischen
Prinzipien und Handlungspläne weisen eindeutig in diese
Richtung hin. Die Problematik ist besonders brisant, wenn
man sie auch als eine kulturpolitische auffasst. Es liegt
der Verdacht nahe, dass unter dem Vorwand der Aufhebung der
digitalen Spaltung letztlich neue Formen von kulturellem Kolonialismus
entstehen können, die genau so fragwürdig sind,
wie die des willentlichen Ausschlusses Anderer.
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Erschienen
bei gipfelthemen.de
am 31.05.2005
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