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Kilian Beutel Datum:Tuesday, 21. June 2005
Von:

Kilian Beutel

An: kbeutel@politik-digital.de
URL: keine

Über das Verhalten im Raum der Information Teil 2

gipfelthemen.de sprach mit Rafael Capurro, Professor für Informationswissenschaft und Informationsethik an der Hochschule der Medien (HdM), Gründer des International Center for Information Ethics (ICIE) und Herausgeber der International Review of Information Ethics (IRIE), über die digitale Kultur und die "Hauptaufgabe der Informationsethik, die Relativität des digitalen Weltentwurfs im Informationsbereich aufzudecken."

2.Das Internet schafft einen neuen Raum in dem man sich verhalten muss. Dafür benötigt man eine neue Verhaltensregel oder Ethik, die Informationsethik. Warum reichen die bisherigen ethischen Systeme (Kants Pflichtethik etwa) nicht mehr aus?

Ich bin wie Sie der Meinung, dass das Internet einen neuen Verhaltensraum geschaffen hat. Das impliziert auch neue Verhaltensregeln, wie sie zum Beispiel zu Beginn der Entwicklung des World Wide Web im Sinne einer 'Netiquette’ konzipiert wurden. Natürlich war damit ein sehr kleiner Teil der neuen Herausforderungen angesprochen. Am anderen Ende finden wir heute die ethisch-politischen Diskussionen im Rahmen des World Summit on the Information Society (WSIS) vor allem in Zusammenhang mit dem Menschenrecht auf Kommunikation sowie des offenen Zugangs zum Wissen in den digitalen und interaktiven Netzen mit dem Ziel der Aufhebung der digitalen Spaltung, was nicht allein ein technisches, sondern vor allem ein kulturelles und insbesondere ein pädagogisches Problem darstellt.

Es gibt keine einfache Antworten auf die Frage, wie und inwiefern die digitale Weltvernetzung zur Linderung von Armut und Krankheit sowie zum Schutz der Lebensräume und zum Motor einer nachhaltigen sozialen, politischen, ökonomischen, kulturellen und ökologischen Entwicklung dienen kann. Die unterschiedlichen ethischen Systeme sind ihrerseits kulturell verwurzelt und lassen sich nicht von ihren lokalen Entstehungsbedingungen vollkommen lösen. Eher ist es so, dass universale moralische Normen, wie im Falle der Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte, immer interpretationsbedürftig sind. Das gilt auch für theoretische Paradigmen in der Ethik, ja für die Ethik selbst, als einer von Aristoteles begründeten also aus der abendländischen Tradition stammenden Disziplin, die sich mit dem 'Ethos’, d.h. mit dem 'menschlichen Wohnen’ und seinen Normen befasst. Die Theorien über diese Verhaltensregeln sind nicht weniger umstritten sowohl in unserer als auch in anderen kulturellen Traditionen als sonstige wissenschaftliche Theorien. Ich betrachte aber die Vielfalt ethischer Paradigmen nicht als Schwäche oder sogar als Gefahr für eine sich universalistisch wähnende Ethik, sondern als Gewinn für eine kritische Diskussion, die nicht von angeblich unumstößlichen gedanklichen Systemen ausgeht. Kants Kriterium der Universalisierbarkeit von Handlungsmaximen ist wohlweislich ein formales Kriterium. Die antike Ethik war wiederum empfänglicher für die Kontingenz menschlicher Erfahrung. Fundamentalismus und Relativismus sind nur die Kehrseite einer interkulturellen ethischen Reflexion, die sich dem Wagnis menschlicher Freiheit stellt.

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Erschienen bei gipfelthemen.de am 31.05.2005

 

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