Über das
Verhalten im Raum der Information Teil 1
gipfelthemen.de stellte Rafael
Capurro, Professor für Informationswissenschaft und
Informationsethik an der Hochschule der Medien (HdM)
die Frage was genau Informationsethik ist. Capurro ist Gründer
des International Center for Information Ethics (ICIE)
und Herausgeber der International Review of Information Ethics
(IRIE).
1.Können Sie zunächst
kurz erklären was Informationsethik ist?
Informationsethik im engeren Sinne ist eine
philosophische Disziplin, die sich mit ethischen Fragen des
Internet befasst. Im weiteren Sinne bezieht sie sich auf ethische
Fragen der Digitalisierung, d.h. der Rekonstruktion aller
möglichen Phänomene der Welt, des Lebens und des
Handelns im Medium von 0 und 1 als digitale Information sowie
des Austauschs, der Kombination und der Verwertung dieser
Information. Bedeutsame Vorläufer sind die Computerethik,
die sich berufsethischen Fragen im Informatik-Bereich widmet
und seit den 60er Jahren an amerikanischen Universitäten
gelehrt wird und die Medienethik, die ethische Fragen im Bereich
der Massenmedien einschließlich der journalistischen
Ethik behandelt und deren Wurzeln in der Aufklärung liegen.
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Prof. Rafael Capurro |
Man muss dabei beachten, dass die moralischen
Probleme einer bestimmten Berufsgruppe nur einen Teil des
ethischen Diskurses über das jeweilige Phänomen
ausmachen. So sind zum Beispiel im Falle der Massenmedien
nicht nur etwa die Journalisten die primären Urheber
und Adressaten des medienethischen Diskurses, sondern ebenso
sehr die für die technische, rechtliche und inhaltliche
Ausgestaltung der Sendungen Verantwortlichen sowie auch die
Empfänger der massenmedialen Sendungen, also die unterschiedlichen
Teilsysteme der Gesellschaft. Ferner ist es wichtig daran
zu erinnern, dass der ethische Diskurs im Sinne einer kritischen
Reflexion, sich von den jeweiligen expliziten (schriftlich
fixierten) oder impliziten moralischen Normen einer Gesellschaft
abhebt und diese hinterfragt. Dieser Unterschied zwischen
Moral und Ethik wird oft übersehen oder verwischt. Der
ethische Diskurs beschränkt sich aber nicht auf die Problematik
der Begründung moralischer Normen, sondern dient auch
der situationsbezogenen Lebensorientierung. Kant und Aristoteles
stehen jeweils Pate für diese Formen ethischer Reflexion.
Diese ersetzt das Handeln selbst nicht. Über das Gute
reden, ist nicht dasselbe wie das Gute tun.
Schon in der Antike war Redefreiheit ein Kernthema
dessen, was wir heute Informationsethik nennen. So gesehen
ist diese Disziplin nicht neu. Ihre Grundprobleme stellen
sich in allen menschlichen Gesellschaften und Kulturen sofern
es um die Frage geht, wer wem in welchem Medium nach welchen
Regeln etwas mitteilen kann und darf. Wir sprechen heute zwar
von der Informations- oder auch von der Wissensgesellschaft
und meinen unsere von digitalen Medien bestimmte Kommunikation.
Wir sollten aber diese Termini stets im Plural verwenden,
um uns den historischen Horizont, sowohl das Phänomen
betreffend als auch dessen Reflexionsgeschichte, vor- und
rückwärts offen zu halten. Man kann sogar sagen,
dass diese Einsicht in die Pluralität und kulturelle
Bedingtheit von Kommunikationsformen und -normen einschließlich
der Formen der Aufbewahrung dessen, was kommuniziert wird,
unseres „kulturellen Gedächtnisses“ (Jan
Assmann) also, zum Ausgangspunkt einer erst im Entstehen begriffenen
interkulturellen Informationsethik gehört. Damit befasste
sich eine von der VolkswagenStiftung gesponsorten Tagung,
die im Oktober 2004 im Karlsruher Zentrum für Kunst und
Medientechnologie (ZKM)
stattfand. Die Proceedings dieser Tagung sind in der frei
zugänglichen International Review of Information Ethics
(IRIE)
erschienen. Eine Auswahl der Beiträge erscheint in der
Schriftenreihe des International Center for Information Ethics
(ICIE) im
Fink Verlag.
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Erschienen
bei gipfelthemen.de
am 31.05.2005
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