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Kilian Beutel Datum:Thursday, 30. June 2005
Von:

Kilian Beutel

An: kbeutel@politik-digital.de
URL: keine

Über das Verhalten im Raum der Information Teil 1


gipfelthemen.de stellte Rafael Capurro, Professor für Informationswissenschaft und Informationsethik an der Hochschule der Medien (HdM) die Frage was genau Informationsethik ist. Capurro ist Gründer des International Center for Information Ethics (ICIE) und Herausgeber der International Review of Information Ethics (IRIE).

1.Können Sie zunächst kurz erklären was Informationsethik ist?

Informationsethik im engeren Sinne ist eine philosophische Disziplin, die sich mit ethischen Fragen des Internet befasst. Im weiteren Sinne bezieht sie sich auf ethische Fragen der Digitalisierung, d.h. der Rekonstruktion aller möglichen Phänomene der Welt, des Lebens und des Handelns im Medium von 0 und 1 als digitale Information sowie des Austauschs, der Kombination und der Verwertung dieser Information. Bedeutsame Vorläufer sind die Computerethik, die sich berufsethischen Fragen im Informatik-Bereich widmet und seit den 60er Jahren an amerikanischen Universitäten gelehrt wird und die Medienethik, die ethische Fragen im Bereich der Massenmedien einschließlich der journalistischen Ethik behandelt und deren Wurzeln in der Aufklärung liegen.

Rafael Capurro
Prof. Rafael Capurro

Man muss dabei beachten, dass die moralischen Probleme einer bestimmten Berufsgruppe nur einen Teil des ethischen Diskurses über das jeweilige Phänomen ausmachen. So sind zum Beispiel im Falle der Massenmedien nicht nur etwa die Journalisten die primären Urheber und Adressaten des medienethischen Diskurses, sondern ebenso sehr die für die technische, rechtliche und inhaltliche Ausgestaltung der Sendungen Verantwortlichen sowie auch die Empfänger der massenmedialen Sendungen, also die unterschiedlichen Teilsysteme der Gesellschaft. Ferner ist es wichtig daran zu erinnern, dass der ethische Diskurs im Sinne einer kritischen Reflexion, sich von den jeweiligen expliziten (schriftlich fixierten) oder impliziten moralischen Normen einer Gesellschaft abhebt und diese hinterfragt. Dieser Unterschied zwischen Moral und Ethik wird oft übersehen oder verwischt. Der ethische Diskurs beschränkt sich aber nicht auf die Problematik der Begründung moralischer Normen, sondern dient auch der situationsbezogenen Lebensorientierung. Kant und Aristoteles stehen jeweils Pate für diese Formen ethischer Reflexion. Diese ersetzt das Handeln selbst nicht. Über das Gute reden, ist nicht dasselbe wie das Gute tun.

Schon in der Antike war Redefreiheit ein Kernthema dessen, was wir heute Informationsethik nennen. So gesehen ist diese Disziplin nicht neu. Ihre Grundprobleme stellen sich in allen menschlichen Gesellschaften und Kulturen sofern es um die Frage geht, wer wem in welchem Medium nach welchen Regeln etwas mitteilen kann und darf. Wir sprechen heute zwar von der Informations- oder auch von der Wissensgesellschaft und meinen unsere von digitalen Medien bestimmte Kommunikation. Wir sollten aber diese Termini stets im Plural verwenden, um uns den historischen Horizont, sowohl das Phänomen betreffend als auch dessen Reflexionsgeschichte, vor- und rückwärts offen zu halten. Man kann sogar sagen, dass diese Einsicht in die Pluralität und kulturelle Bedingtheit von Kommunikationsformen und -normen einschließlich der Formen der Aufbewahrung dessen, was kommuniziert wird, unseres „kulturellen Gedächtnisses“ (Jan Assmann) also, zum Ausgangspunkt einer erst im Entstehen begriffenen interkulturellen Informationsethik gehört. Damit befasste sich eine von der VolkswagenStiftung gesponsorten Tagung, die im Oktober 2004 im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) stattfand. Die Proceedings dieser Tagung sind in der frei zugänglichen International Review of Information Ethics (IRIE) erschienen. Eine Auswahl der Beiträge erscheint in der Schriftenreihe des International Center for Information Ethics (ICIE) im Fink Verlag.

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Erschienen bei gipfelthemen.de am 31.05.2005

 

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