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Kilian Beutel Datum:Wednesday, 07. September 2005
Von:

Kilian Beutel

An: kbeutel@politik-digital.de
URL: keine

Über das Verhalten im Raum der Information Teil 11

gipfelthemen.de sprach mit Rafael Capurro, Professor für Informationswissenschaft und Informationsethik an der Hochschule der Medien (HdM), Gründer des International Center for Information Ethics (ICIE) und Herausgeber der International Review of Information Ethics (IRIE), über die digitale Kultur und die "Hauptaufgabe der Informationsethik, die Relativität des digitalen Weltentwurfs im Informationsbereich aufzudecken."

11.Welche Rolle spielt Heidegger in Ihrer Informationsethik-Philosophie?

Heidegger stand der Informationstechnologie kritisch gegenüber. Er meinte, dass diese Technologie letztlich zu einer Verdinglichung der Sprache und somit unseres Seins führen würde. Sie wäre eine bestimmte Form dessen zu verstehen, was er „Gestell“ nannte, d.h. eine Sammlung aller Formen des Stellens von Sprache. Ich spreche sinngemäß von „Informations-Gestell“. Dabei ist aber zu bemerken, dass für Heidegger das „Gestell“ nicht im Sinne einer bloßen kulturkritischen Kategorie missverstanden werden sollte. Dieser Begriff spielt eine ähnliche Rolle wie der Begriff der Alltäglichkeit beim frühen Heidegger. Wir leben heute „zunächst und zumeist“ im „Informations-Gestell“. Es ist kein bloßer „Jargon der Eigentlichkeit“ (Adorno), wenn Heidegger die Möglichkeit erwägt, eine andere „eigentliche“ Einstellung zum Alltäglichen einnehmen zu können. In Wahrheit ist eine solche Möglichkeit, das, was wir stets in der Ethik zu thematisieren versuchen, wenn wir zum Beispiel erwägen, unsere Handlungsmaximen jenseits der subjektiven „alltäglichen“ Interessen zu hinterfragen, was zum Beispiel mit Hilfe des Kantischen Kriterium der Universalisierbarkeit stattfindet. Was bedeutet Authentizität in der heutigen Informationsgesellschaft? Welche Änderung unseres Blickpunktes müssen wir in Bezug auf die digitale Weltvernetzung vollziehen, damit wir sowohl prinzipiell als auch situationsbezogen jenen Standpunkt beziehen können, der uns erlaubt, zumindest vorläufig, unsere Interessen beiseite zu schieben und eine moralische Einstellung einzunehmen? In mancher Hinsicht denke ich, zumindest auf den ersten Blick, mit Heidegger gegen Heidegger, d.h. ich versuche selbst zu denken. Selbst zu denken, heißt aber immer mit anderen denken. Das war ein Grundgedanke der Aufklärung gegen Bevormundung in Bezug auf die Möglichkeit, wer wem etwas mitteilen dürfte. In einem anderen Kontext habe ich dies folgendermaßen ausgedrückt:

In der Schrift "Was heißt: Sich im Denken orientieren?" (Kant 1923, AA VIII) betont Kant, dass die Gedankenfreiheit unlösbar mit der Freiheit "seine Gedanken öffentlich mitzutheilen" verbunden ist. Die geistige Unabhängigkeit besteht für Kant nicht darin, dass die Gedanken, "wie nächtliche Schatten" vorbeifliegen und "frei sind", so dass "kein Jäger sie erschießen" kann, wie es bei Joseph von Eichendorff heißt. Wenn die geistige Unabhängigkeit durch äußere Zwänge eingeschränkt oder sogar bedroht ist, dann sucht Kant keineswegs einen Trost im stillen Kämmerlein der eigenen Subjektivität oder hofft, dass der Geist auf wundersame Weise vorbeifliegt, sondern er fordert die relative Unabhängigkeit eines äußeren Mediums, der "Schriften". Diese Forderung hat einen tieferen Sinn, nämlich den, dass der Ursprung der "Gedanken" nicht im isolierten Denken, sondern im Gespräch zu suchen ist. Will dieses Gespräch sich prinzipiell an jedermann richten, also universal sein, so muß es sich mitteilen lassen können, denn, was wir denken, ist immer das, was wir mit anderen denken und dies läßt sich nur in einem gemeinsamen Medium vollziehen.“ (http://www.capurro.de/zkmforum.htm)

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Erschienen bei gipfelthemen.de am 31.05.2005

 

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