Allianz
des Wissens
Gemeinsam
wissen macht....? Eine Konferenz suchte nach Antworten.
Ein charismatischer Einführungsvortrag und ein gebannt
zuhörendes Publikum beim Abschlussvortrag sagen alles.
Die "Allianz
des Wissens" war zwischen Publikum und Podium auf
der Veranstaltung des Graduiertenkollegs
"Verteilte Informationssysteme" und des Electronic
Business Forum der Humboldt-Universität zu Berlin
vorhanden.
Von einem betriebswirtschaftlichen Standpunkt aus wurden
Themen um und mit Wissen behandelt. Doch um einen Kontrapunkt
zu dieser Ausrichtung zu setzen, wurde der erste Vortag von
Richard Stallman, dem Gründer des GNU-Projektes,
gehalten. Er widersprach in seinem Vortrag der wirtschaftlichen
Verwertung von Wissen und wies den modischen Begriff der "intellectual
property" als untauglich zurück.
Wissen
als Ware
Der Rest des Symposiums war jedoch der wirtschaftlichen Seite
nicht abgeneigt. Willms Buhse von Digital
World Services (DWS) stellte die Seite der Industrie vor.
DWS waren in den letzten Jahren im Rahmen der Urheberrechtsdiskussion
in den Medien sehr präsent, nicht zuletzt ausgelöst
durch die hitzigen Urheberrechts-Debatten über die Musiktauschbörse
Napster. Buhse erklärte, dass für die Industrie
digitale Produkte ein privates Gut seien, das ganz normal
gehandelt werden könne. Diese Einstellung rechtfertigt
seiner Meinung nach eine Einschränkung der Rechte der
Konsumenten, wenn dadurch die Verkaufbarkeit digitaler Produkte
gesichert würde. Allerdings läge auf der Seite der
Anbieter die Entscheidung, ob sie dieser Produkte frei oder
geschützt anbieten wollen.
Informationsethik
Ihm gegenüber saß als Vertreter der Zivilgesellschaft
Prof. Kuhlen von der Universität Konstanz. Gegen die
Tendenzen der "Venterisierung" von Wissen, das heißt
der Tendenz, Wissen als Ware zu betrachten, setzte Kuhlen
die Forderung nach einer neuen Informationsethik. Danach sollten
sich beide Seiten, Wirtschaft und Gesellschaft auf moralische
Grundsätze einigen, um die Verfügbarkeit von Informationen
auch unabhängig von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
zu garantieren.
Microsoft
Auch die zu erwartene Microsoft-Kritik
nach dem Vortag von Scott Collison, immerhin Director of Marketing
bei Microsoft, blieb aus. Man erkannte jedoch, dass er während
seines Vortrags um die allgemeinen Angriffspunkte wusste,
denn vor jeder Erwähnung des Erzfeindes von Microsoft,
Sun Microsystems,
legte er stets eine bewusste Pause ein. Die
Präsentation der .net-Strategie
von Microsoft
brachte nicht allzu viel Neues. Die Passport-Idee,
die in der letzten Zeit für solche Aufregung gesorgt
hatte, wurde kaum erwähnt. Es gehe darum, das Internet
semantisch zu unterlegen, um es besser nutzbar zu machen.
Die Orientierung von Microsoft hat sich Collins zufolge bei
der Entwicklung dieser semantischen Ummantelung des Internetzes
von B2B oder C2C hin zu Application2Application entwickelt.
.net
ist die neue Strategie von Microsoft
und zielt darauf hin, Anwendungen nicht mehr nur auf dem Rechner
laufen zu lassen, sondern innerhalb eines Netzwerkes oder
des Internets, Anwendungen verfügbar zu machen. Ein wesentlicher
Teil dieser neuen Netzwerkstrategie war und ist Passport.
Dies ist ein Service, der die Daten der Benutzer verwaltet.
Das Ziel ist es, den Zugriff auf kennwortgeschützte Seiten
zu erleichtern, indem die Passwörter bei Passport
gespeichert werden. Ausserdem soll es durch das persönliche
Profil ein auf den Benutzer zugeschnittenes Internetangebot
geben.
Semantisches Netz
Die Chancen für tragfähige Geschäftsmodelle
im Bereich dieses semantic web wurden jedoch weder von Frank
Schuhardt von der Deutschen Venture Capital Gesellschaft,
noch von Dr. Jürgen Laatz von McKinsey&Comany als
vielversprechend eingeschätzt, wenn beide die prinzipielle
Bedeutung einer semantischen Aufarbeitung der Netzinhalte
betonten. Doch die immanente Bedeutung sei nicht zu erkennen.
Außerdem sah Schuhardt mögliche Geschäftsmodelle
vor allem im Bereich der Industrie und nicht bei den Wissensproduzenten
selbst. Diese Einschätzung widersprach deutlich der Darstellung,
die Prof. Rudi Studer von der Universtität Karlsruhe
gegeben hatte. Denn er stellte die wissenschaftliche, auf
den Inhalt gerichtete Sichtweise auf die "Idee des semantischen
Netzes" vor. Für ihn geht es beim semantischen Netz
darum, Wissen strukturiert verfügbar zu machen. Die Herausforderung
ist nicht so sehr die wirtschaftliche Umsetzung, sondern die
saubere Umsetzung der semantischen Untermauerung des Netzes.
Wissensmangement
Am Ende des Tagesprogramms wurde dann ein Bogen geschlagen,
von der wirtschaftlichen zur inhaltlichen Sichtweise zurück.
Die Generierung einer Wissenskultur innerhalb von Unternehmen
wurde am Beispiel von Siemens verdeutlicht. Dr. Josef Hofer-Alfeis
betonte die Einrichtung von Communities und wie wichtig die
kategorisierte Sicherung individuellen Wissens, das auch allen
zugänglich gemacht werden müsse, innerhalb des Unternehmens
sei.
Dieser
sehr positiven Einschätzung des organisierten und schriftlichen
Wissenmanagements widersprach der Leiter des Forschungsinstituts
für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung in
Ulm, Prof. Franz Josef Radermacher in einem begeistert aufgenommenen
letzten Vortrag. Das Teilen von Wissen sei "nutzlos".
Die Aussage, dass durch das Teilen von Wissen die absolute
Wissensmenge zu erhöhen sei, sei "die größte
Lüge der letzten Jahre". Wichtig sei dagegen, Vertrauen
aufzubauen und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitenehmer in
einem Unternehmen zu halten. Denn vor allem durch die Identifikation
der Arbeiter mit einem Unternehmen seien diese bereit, Wissen
zu teilen. Ein solches Spezialwissen könne aber nicht
schriftlich festgehalten werden, da es seine Macht erst in
der Verbindung vieler einzelner, gut gehüteter Spezialwissen
entfalte, die aber wiederum im Idealfall untereinander vernetzt
sein müssen.
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