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Simon Dalferth Update: Wednesday, 03. November 2004
Von: Simon Dalferth <schnimpology@web.de>
An: redaktion@politik-digital.de
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Allianz des Wissens

Gemeinsam wissen macht....? Eine Konferenz suchte nach Antworten.

Ein charismatischer Einführungsvortrag und ein gebannt zuhörendes Publikum beim Abschlussvortrag sagen alles. Die "Allianz des Wissens" war zwischen Publikum und Podium auf der Veranstaltung des Graduiertenkollegs "Verteilte Informationssysteme" und des Electronic Business Forum der Humboldt-Universität zu Berlin vorhanden.

Von einem betriebswirtschaftlichen Standpunkt aus wurden Themen um und mit Wissen behandelt. Doch um einen Kontrapunkt zu dieser Ausrichtung zu setzen, wurde der erste Vortag von Richard Stallman, dem Gründer des GNU-Projektes, gehalten. Er widersprach in seinem Vortrag der wirtschaftlichen Verwertung von Wissen und wies den modischen Begriff der "intellectual property" als untauglich zurück.

Wissen als Ware
Der Rest des Symposiums war jedoch der wirtschaftlichen Seite nicht abgeneigt. Willms Buhse von Digital World Services (DWS) stellte die Seite der Industrie vor. DWS waren in den letzten Jahren im Rahmen der Urheberrechtsdiskussion in den Medien sehr präsent, nicht zuletzt ausgelöst durch die hitzigen Urheberrechts-Debatten über die Musiktauschbörse Napster. Buhse erklärte, dass für die Industrie digitale Produkte ein privates Gut seien, das ganz normal gehandelt werden könne. Diese Einstellung rechtfertigt seiner Meinung nach eine Einschränkung der Rechte der Konsumenten, wenn dadurch die Verkaufbarkeit digitaler Produkte gesichert würde. Allerdings läge auf der Seite der Anbieter die Entscheidung, ob sie dieser Produkte frei oder geschützt anbieten wollen.

Informationsethik
Ihm gegenüber saß als Vertreter der Zivilgesellschaft Prof. Kuhlen von der Universität Konstanz. Gegen die Tendenzen der "Venterisierung" von Wissen, das heißt der Tendenz, Wissen als Ware zu betrachten, setzte Kuhlen die Forderung nach einer neuen Informationsethik. Danach sollten sich beide Seiten, Wirtschaft und Gesellschaft auf moralische Grundsätze einigen, um die Verfügbarkeit von Informationen auch unabhängig von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu garantieren.

Microsoft
Auch die zu erwartene Microsoft-Kritik nach dem Vortag von Scott Collison, immerhin Director of Marketing bei Microsoft, blieb aus. Man erkannte jedoch, dass er während seines Vortrags um die allgemeinen Angriffspunkte wusste, denn vor jeder Erwähnung des Erzfeindes von Microsoft, Sun Microsystems, legte er stets eine bewusste Pause ein. Die Präsentation der .net-Strategie von Microsoft brachte nicht allzu viel Neues. Die Passport-Idee, die in der letzten Zeit für solche Aufregung gesorgt hatte, wurde kaum erwähnt. Es gehe darum, das Internet semantisch zu unterlegen, um es besser nutzbar zu machen. Die Orientierung von Microsoft hat sich Collins zufolge bei der Entwicklung dieser semantischen Ummantelung des Internetzes von B2B oder C2C hin zu Application2Application entwickelt. .net ist die neue Strategie von Microsoft und zielt darauf hin, Anwendungen nicht mehr nur auf dem Rechner laufen zu lassen, sondern innerhalb eines Netzwerkes oder des Internets, Anwendungen verfügbar zu machen. Ein wesentlicher Teil dieser neuen Netzwerkstrategie war und ist Passport. Dies ist ein Service, der die Daten der Benutzer verwaltet. Das Ziel ist es, den Zugriff auf kennwortgeschützte Seiten zu erleichtern, indem die Passwörter bei Passport gespeichert werden. Ausserdem soll es durch das persönliche Profil ein auf den Benutzer zugeschnittenes Internetangebot geben.

Semantisches Netz
Die Chancen für tragfähige Geschäftsmodelle im Bereich dieses semantic web wurden jedoch weder von Frank Schuhardt von der Deutschen Venture Capital Gesellschaft, noch von Dr. Jürgen Laatz von McKinsey&Comany als vielversprechend eingeschätzt, wenn beide die prinzipielle Bedeutung einer semantischen Aufarbeitung der Netzinhalte betonten. Doch die immanente Bedeutung sei nicht zu erkennen. Außerdem sah Schuhardt mögliche Geschäftsmodelle vor allem im Bereich der Industrie und nicht bei den Wissensproduzenten selbst. Diese Einschätzung widersprach deutlich der Darstellung, die Prof. Rudi Studer von der Universtität Karlsruhe gegeben hatte. Denn er stellte die wissenschaftliche, auf den Inhalt gerichtete Sichtweise auf die "Idee des semantischen Netzes" vor. Für ihn geht es beim semantischen Netz darum, Wissen strukturiert verfügbar zu machen. Die Herausforderung ist nicht so sehr die wirtschaftliche Umsetzung, sondern die saubere Umsetzung der semantischen Untermauerung des Netzes.

Wissensmangement
Am Ende des Tagesprogramms wurde dann ein Bogen geschlagen, von der wirtschaftlichen zur inhaltlichen Sichtweise zurück. Die Generierung einer Wissenskultur innerhalb von Unternehmen wurde am Beispiel von Siemens verdeutlicht. Dr. Josef Hofer-Alfeis betonte die Einrichtung von Communities und wie wichtig die kategorisierte Sicherung individuellen Wissens, das auch allen zugänglich gemacht werden müsse, innerhalb des Unternehmens sei.

Dieser sehr positiven Einschätzung des organisierten und schriftlichen Wissenmanagements widersprach der Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung in Ulm, Prof. Franz Josef Radermacher in einem begeistert aufgenommenen letzten Vortrag. Das Teilen von Wissen sei "nutzlos". Die Aussage, dass durch das Teilen von Wissen die absolute Wissensmenge zu erhöhen sei, sei "die größte Lüge der letzten Jahre". Wichtig sei dagegen, Vertrauen aufzubauen und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitenehmer in einem Unternehmen zu halten. Denn vor allem durch die Identifikation der Arbeiter mit einem Unternehmen seien diese bereit, Wissen zu teilen. Ein solches Spezialwissen könne aber nicht schriftlich festgehalten werden, da es seine Macht erst in der Verbindung vieler einzelner, gut gehüteter Spezialwissen entfalte, die aber wiederum im Idealfall untereinander vernetzt sein müssen.

Zuerst e rschienen bei politik-digital.de am 18.07.2002
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