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Simone Gerdesmeier Datum: Thursday, 07. June 2007
Von: Simone Gerdesmeier sgerdesmeier@politik-digital.de
An: sgerdesmeier@politik-digital.de
URL  www.gipfelthemen.de

Ein Jahr Kampf gegen Internet-Zensur

(Kurztext) Irrepressible, nicht zu unterdrücken – unter diesem Motto startete die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) vor einem Jahr eine Kampagne gegen Internet-Zensur. Zum Jahrestag diskutierten Online-Pioniere wie Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, Internet-Unternehmerin Martha Lane Fox und AI in einer Web-Präsentation mit Opfern von Internet-Unterdrückung. Ein Podcast dieser Veranstaltung soll in Kürze zum Download bereitstehen.

Nach wie vor können Nutzer die Kampagne unterstützen: Indem sie zensierte Texte auf den eigenen Websites darstellen oder indem sie eine Petition unterzeichnen. Mehr als 68.000 Menschen unterschrieben bislang. Zum Internet Governance Forum im November 2006 in Athen waren es schon 50.000 Unterschriften. Diese überreichte eine Delegation von Amnesty den beim Forum anwesenden internationalen Politikern.

Internet-Zensur hat in den letzten Jahren zugenommen

Was hat Amnesty in diesem einen Jahr Einsatz gegen Online-Zensur und für eine freie Meinungsäußerung im Internet erreicht?

Filterung und Zensur von Online-Inhalten sind keineswegs zurückgegangen. Im Gegenteil, wie eine im Mai 2007 veröffentlichte Studie der OpenNet Initiative zeigt: Die Initiative untersuchte für 41 Staaten, wie Regierungen mit kritischen Online-Inhalten umgehen. Mindestens 25 dieser Staaten filterten unerwünschte Inhalte, so das Ergebnis. Internet-Zensur und -Unterdrückung seien ein wachsendes weltweites Problem.

Auf der Website der OpenNet Initiative kann man sich auf einer Weltkarte ansehen, welche Länder sich besonders negativ hervortun und welche Inhalte zensiert werden. Politische Zensur betreiben so vor allem China, Iran, Syrien und Tunesien. Websites, auf denen es um Sexualität, Glücksspiel, illegale Drogen und Alkohol geht, stoßen im Sudan, Saudi Arabien und Iran auf Kontrolle, weiterhin in China. Aber auch Europa, Australien, Nord- und Südamerika filtern derartige Inhalte selektiv. China und Pakistan zensieren zudem Online-Inhalte, die sich mit militärischen Konflikten und seperatistischen Bewegungen beschäftigen. Provider von E-Mail-Services, Webservern und ähnlichen Tools zur Veröffentlichung stehen im Iran unter besonders starker Kontrolle. Für jedes der untersuchten Staaten gibt es ein ausführliches Länderprofil.

China verurteil Journalisten wegen unerwünschter E-Mails

Wie zum Beispiel China gegen Internetnutzer vorgeht, die unliebsame Inhalte veröffentlichen, musste der Journalist Shi Tao erfahren. In zwei E-Mails an US-amerikanische Websites verriet er eine geheime Regierungsanweisung, wie Journalisten über den Jahrestag des Aufstands auf dem Platz des Himmlischen Friedens berichten sollten: nämlich gar nicht. Diese Mails verschickte er über Yahoo – das Unternehmen gab die Informationen an die chinesische Regierung weiter. Shi Tao wurde festgenommen, zu zehn Jahren Haft verurteilt und ist heute noch in Haft. Für seine Freilassung setzt sich auch die Irrepressible-Kampagne von Amnesty ein.

Tatsächlich etwas am Vorgehen der zensierenden Regierungen ändern konnte die Kampagne also nicht, so scheint es. Doch erstes Ziel der Aktion ist es, Aufmerksamkeit zu wecken. Vor allem soll bewusst werden, dass sich nicht nur die Regierungen allein an der Filterung von Online-Inhalten beteiligen. International operierende Unternehmen wie Yahoo, Microsoft und Google versuchen, sich den nationalen Gegebenheiten anzupassen - und unterstützen so teilweise die Zensur.

weiterführende Links:
Irrepressible - Neue Kampagne gegen Unterdrückung im Internet

Erschienen bei gipfelthemen.de am 07.06.2007

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