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Simone Gerdesmeier Datum: Monday, 12. June 2006
Von: Simone Gerdesmeier sgerdesmeier@politik-digital.de
An: sgerdesmeier@politik-digital.de
URL  www.gipfelthemen.de

US-Repräsentantenhaus votiert gegen „Netzneutralität“

Das US-Repräsentantenhaus hat sich mit einer Mehrheit von 269 zu 152 Stimmen gegen ein „neutrales“, keine unterschiedlichen Preismodelle vorsehenden Netzwerk ausgesprochen. Abgelehnt wurde damit ein Änderungsantrag zum so genannten Communications Opportunity, Promotion, and Enhancement Act of 2006 (COPE) der Neuregelungen für die Telekommunikationsgesetzgebung der USA treffen soll.

Der Änderungsvorschlag des demokratischen Abgeordneten Edward Markey sah unter anderem vor, jedem Breitbandanbieter zu verpflichten, Anbieter von Internet-Inhalten ihre Leitungen unterschiedslos und diskriminierungsfrei zur Verfügung zu stellen. Zusatzleistungen wie eine garantierte oder bevorzugte Übertragung von Inhalten bestimmter Inhalte sollten demnach gebührenfrei bleiben. Dafür machten sich auch Firmen wie Amazon, eBay, Google und Microsoft stark, von denen die US-Telefon- und Kabelkonzerne gerne Gebühren für die Datendurchleitung, z.B. für Videos, verlangen würden. Diese Möglichkeit wurde nun durch die Ablehnung des Antrages geschaffen.

Vor allem Anhänger der Republikaner sprachen sich gegen den Korrekturvorschlag aus. Als Argument wurde genannt, dass das Internet gerade durch die ausbleibende Regulation des Staates so groß geworden sei und dass sich der Gesetzgeber deswegen mit Auflagen für die Provider zurückhalten solle.

Die Befürworter der „Netzneutralität“ bezeichneten die Abstimmung im Vorfeld als eine „historische Wahl über die Zukunft des Internet" Befürchtet wird, dass das wirtschaftsfreundliche und demokratische Medium Internet nun vollständig in die Hand der Kabel- und Telefonkonzerne übergehe, die in den USA generell eine starke wirtschaftliche Position innehaben. Mittlerweile konnten prominente Unterstützer der Kampagne für ein „neutrales“ Netz gewonnen werden, die auf der Seite savetheinternet.com über die aktuellsten Entwicklungen zum Thema berichten. Die Abstimmung wurde auf der Website heftig kritisiert und als Ergebnis einer „Lobbyarbeit“ der Telefon- und Kabelkonzernen gewertet, die die Kontrolle über das Internet zu gewinnen versuchten.

Jedenfalls ebnet das Gesetzespaket H.R 5522, das ebenfalls mit großer Mehrheit angenommen wurde, den Konzernen den Zugang auf den Fernsehmarkt. Wurde bisher die Zulassung von Fernsehangeboten von regionalen Stellen der Rundfunkaufsicht geregelt, ist diese Regulierung nach dem neuen Gesetz nun nicht mehr nötig. Gebündelte Inhalte von Telefon, Internet und Fernsehen werden damit in nächster Zeit häufiger vorkommen, so die Prognosen.

Momentan warten noch drei weitere Gesetzesvorschläge zum Thema „Netzneutralität“ auf ihre Abstimmung. Die Mehrheiten im Repräsentantenhaus scheinen nach der letzten Abstimmung bereits festzustehen.

Erschienen bei gipfelthemen.de am 12.06.2006

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