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Sonja Domeyer Datum:Thursday, 16. March 2006
Von:

Thomas Schneider

An: thomas.schneider@bakom.admin.ch
URL: http://www.bakom.ch

Erste Konsultationen zum Internet Governance Forum

Auf dem zweiten Weltgipfel zur Informationsgesellschaft in Tunis, wurde im November 2005 die Gründung eines Internet Governance Forums (IGF) beschlossen. Die ersten Konsultationen zum IGF fanden vom 16.-17. Februar in Genf statt. Ein Protokoll dieser Konsultationen von Thomas Schneider.

Das Ziel des genannten Treffens eine Diskussion aller Stakeholders (Regierungen, Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft, IGOs, Internet Community) über Struktur, Funktionsweise und operationelle Aspekte des IGF sowie über dessen thematische Ausrichtung der inhaltlichen Arbeit. Weiter sollten die logistischen und inhaltlichen Eckpunkte des ersten Treffens des IGF in Athen geklärt werden. Das Ergebnis der Diskussion wird an den UN-Generalsekretär weitergeleitet, welcher bis Mitte 2006 einen Entscheid fällen soll. Unter der Führung von BAKOM-Vizedirektor Frédéric Riehl nahmen für die Bundesverwaltung Vertreter des BAKOM und der DEZA am Meeting teil.

Konvergierende Meinungen in vielen, aber nicht in allen Punkten

Das Treffen zeigte, dass die von den verschiedenen Partnern geäusserten Meinungen in vielen Fragen und Aspekten konvergieren, in einigen Punkten aber noch weit auseinander liegen.

Einig waren sich alle, dass das IGF ein echtes Multistakeholder-Forum sein sollte, wo alle interessierten Partner „on equal footing“ teilnehmen könnten. Einig war man sich ebenso, dass die Entwicklungsaspekte bezüglich der Internet Governance eine wesentliche Rolle spielen sollten (wobei nicht alle den Begriff Entwicklung gleich eng oder weit fassten). Das Sekretariat des IGF sollte schlank sein. Nebst der Schweiz zeigten sich auch Griechenland, Ungarn und Holland interessiert, das IGF-Sekretariat im eigenen Land zu beherbergen. Viele Teilnehmer (auch die Schweiz) sprachen sich dafür aus, dieses in Genf anzusiedeln. Explizit gegen diesen Vorschlag äusserte sich niemand. Die Arbeit von Markus Kummer als Leiter des WGIG-Sekretariats und diejenige von Nitin Desai als Charmain der WGIG wurde weit herum gelobt und viele wünschten eine Fortführung dieser Tätigkeiten auch beim IGF.

Das IGF sollte sich einmal pro Jahr treffen. Während die Vertreter des Nordens – so auch die Schweiz - eine Dauer von 2-3 Tagen vorschlugen, bevorzugten Vertreter des Südens eher Dauer von 5 Tagen. Als Kompromiss schlug Nitin Desai eine Dauer von 4 Tagen vor. Viele Redner schlugen vor, anstelle eines in der UNO üblichen Bureaus ein flexibleres Program Committee zu schaffen, welches das Programm und die Agenda des IGF erarbeiten soll. In diesem Program Committee sollten alle Stakeholders in gleichem Masse vertreten sein. Zur Grösse und konkreten Ausgestaltung dieses Committées wurden verschiedene Vorschläge gemacht, welche von 20 bis rund 50 Personen sprachen. Die G77-Länder sahen sich ausserstande, über dieses Committee zu befinden und forderten ein weiteres Konsultationsmeeting. Grundsätzliche Voten gegen die Schaffung einer Multistakeholder Group, die die Agenda der IGF setzen sollte, gab es aber keine.

Auf ein genaues Datum des IGF 2006 in Athen hat man sich noch nicht einigen können. Während Griechenland den 24.-26.10.2006 vorschlug, schlugen andere vor, das Forum erst nach der PP-06 (Plenipotentiaire) der ITU im November abzuhalten. Viele Redner schlugen vor, dass sich die Treffen der IGF im Rotationsprinzip über den ganzen Globus verteilen sollten. Am Ende des Treffens hat Brasilien angeboten, das IGF 2007 in Rio abzuhalten. Gegen diesen Vorschlag haben sich informell bereits einige afrikanische Länder ausgesprochen, weil mit zu hohen Reisekosten verbunden.

Uneinig war man sich auch darüber, ob die IGF eine Struktur mit untergeordneten Arbeitsgruppen haben sollte, oder ob dies ein Widerspruch zur geforderten schlanken Struktur darstelle. Einige forderten zudem, es sollte regionale Vorbereitungstreffen vor dem globalen Treffen geben. Nitin Desai regte zudem an, die Länder könnten nationale Multistakeholder-Komitees zur Vorbereitung des IGFs einsetzten. Allfällige Arbeiten auf regionaler und nationaler Ebene stünden interessierten Partnern frei und müssten hier gar nicht diskutiert werden. Einig waren sich alle darin, dass die ICTs soweit als möglich für die Vorbereitung des IGF benutzt werden sollten (online-Diskussionsforen, etc.).

Mehrere Redner schlugen vor, das IGF könnte mit einem Plenary beginnen und aufhören, dazwischen könnte man Paneldiskussionen, Roundtables oder Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen bilden. Eine derartige Struktur erscheint auch der Schweiz vernünftig.

In der Frage der Menge und der Auswahl der Themen, welche am IGF diskutiert werden sollten, gab es ebenfalls unterschiedliche Ansichten. Viele forderten eine Beschränkung auf 2-3 Themen, andere wollten weit mehr Themen pro Treffen behandeln. Zudem schlugen vor allem Regierungs- und Wirtschaftsvertreter des Nordens vor, sich auf (v.a. vertikale)Themen wie Spam, Multilingualismus oder Capacity Building zu konzentrieren, bei welchen am ehesten ein Konsens erreicht werden könnte, wie z.B. Spam, Cybersecurity. Andere hingegen forderten, dass eben gerade kontroverse (v.a. horizontale) Themen wie z.B. die Frage der „enhanced cooperation“ diskutiert werden sollten, denn diese könnten nur durch eine intensive Diskussion weitergebracht werden. Die Schweiz schlug ebenfalls die Beschränkung auf 2-3 Themen wie z.B. Spam und Multilingualismus vor. Sie betonte jedoch, dass man den für die Entwicklungsländer relevanten Themen wie z.B. die Frage der Konnektivität besondere Bedeutung zumessen sollte. Aus Sicht der Schweiz sollten sowohl konsensfähige als auch kontroverse Themen im Rahmen des IGF diskutiert werden können, es muss aber darauf geachtet werden, dass man die Diskussion etwas bringt und Doppelspurigkeiten bezüglich der Arbeit anderer Organisationen vermieden werden.

Mehrere Redner, darunter auch die Schweiz, betonten, dass die UN-Regeln und Prozeduren zu schwerfällig und zu eng für das IGF wären. Um allen interessierten Gruppen Zugang zum IGF zu gewähren, müssten vor allem die Regeln zur Akkreditierung und zur aktiven Mitwirkung flexibler gestaltet werden können. Nitin Desai betonte jedoch, dass es wohl auch Sinn machen werde, gewisse UN-Regeln, wie z.B. die 6 UNO-Sprachen oder gewisse Aspekte eines Host-Country-Agreements für das Gastgeberland, anzuwenden. Die Schweiz stimmte diesem Votum zu.

In der Frage der Finanzierung des IGF schlugen mehrere Redner vor, dass das Sekretariat durch freiwillige Beiträge finanziert werden sollte. Zudem sollten die Gastgeberländer der einzelnen Meetings einen Beitrag leisten. Nicht vergessen werden darf zudem die Finanzierung der Teilnahme der (Zivilgesellschafts-)Vertreter aus den Entwicklungsländern. Hierbei erinnerte Nitin Desai daran, dass bei einem Allen offenen Multistakeholder-Forum auch alle Stakeholders einen Beitrag zur Finanzierung leisten müssten. Die Schweiz stellte einen freiwilligen Beitrag in Aussicht, sofern das IGF-Sekretariat in Genf angesiedelt werde.

Die Schweiz vertrat weiter die Position, dass alle organisatorischen Fragen vor dem ersten Meeting des IGF in Athen geklärt werden sollten, damit sich dieses ohne Verzug den inhaltlichen Fragen widmen könne.

Wie weiter? Rasche Klärung logistischer Fragen, Inhaltliches später…

Da nicht auf alle Fragen eindeutige Antworten gefunden waren, schlugen N. Desai und M. Kummer am Ende des Meetings vor, dem UN Generalsekretär erst einmal die groben organisatorischen Fragen zu unterbreiten. Das einzurichtende Program Committee könnte sich dann im May 2006 erstmals treffen und detailliertere Vorschläge an den UN Generalsekretär richten.

Da einige, vor allem südliche, Länder, darauf hinwiesen, dass sie noch nicht in der Lage wären, über neue Vorschläge wie z.B. die Schaffung eines Program Committee zu befinden, einigte man sich darauf, dass die anwesenden Partner innerhalb der folgenden 10 Tage nach dem Meeting noch ihre Positionen zur Frage des Program Committee, aber auch konkrete Vorschläge für 3 Themen, welche in Athen 2006 prioritär behandelt werden sollten, nachreichen könnten.

Erschienen bei gipfelthemen.de am 16.03.2006
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