Piraten
& Terroristen
Nach dem 11. September
2001 ist im Netz nichts mehr, wie es war: Regierungen führen
auch für das Internet neue Anti-Terror-Gesetze ein, um
Cyberkriminalität und den Attacken von „Piraten
& Terroristen“ vorzubeugen. Zivilgesellschaftliche
Akteure fürchten im Gegenzug ungerechtfertigte Kriminalisierung
und die Einschränkung individueller Freiheiten (Rubrik
„Daten & Schutz“) auch im Internet. In dieser
Rubrik „Piraten
& Terroristen“ soll ein realistischer Blick
auf die Kriminalität mit und in den neuen Medien geworfen
werden.
Ausgelöst
wurde die Sorge um die Sicherheit von infrastrukturell bedeutsamen
Netzwerken nach Attacken auf Unternehmensrechner oder die
Londoner Börse und die Wall Street. In Los Angeles kam
es nach Hacker-Angriffen bereits 1998 zu mehrfachen Stromausfällen.
Zum sicherheitspolitischen Thema auf der Agenda mehrerer Regierungen
wurde die Cyberkriminalität spätestens durch das
Attentat am 11. September 2001, das per E-Mail vorbereitet
wurde. Mittlerweile sind düstere Szenarien im Umlauf,
etwa, dass die Kühlanlage eines Atomkraftwerks durch
einen Cyberangriff lahm gelegt werden könnte. Die nationalen
Regierungen rüsten ihre Computersysteme deshalb auf.
Cyber-Angriffe auf Infrastrukturziele wie Kraftwerke, öffentliche
Verkehrsmittel, Finanzzentren, Wasser- und Stromversorgung,
Telekommunikation, Notfallsysteme und Informations-Netzwerke
sind die Visionen post-moderner Kriegsführung im Netz
- vorgekommen ist diese Art von Terrorismus allerdings noch
kaum.
Die Grenzen in
der öffentlichen Wahrnehmung aber verschwimmen. Im Internet
sind „Piraten & Terroristen“ schon fast das
Gleiche. Wird hier das Kind mit dem Bade ausgeschüttet?
Sind Bin Ladens Terrororganisation zu vergleichen mit jugendlichen
Hackern, Polit-Aktivisten und Wirtschaftskriminellen? Findet
unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung eine gesetzgeberische
Einschränkung individueller und politischer Freiheiten
statt?
Der Begriff der
Netzpiraten passt eher in die Szene der Raubkopierer, Musikpiraten
und Passwortknacker. Ziel der Piraterie ist vor allem privates
und unternehmerisches Eigentum oder Polit-Aktivismus. Sie
sind Einzelpersonen, Tüfftler oder organisieren sich
in eigenen Organisationen. Zivilgesellschaftliche Akteure
meinen, unter dem Deckmantel der Terrorismus-Bekämpfung
wolle sich die Industrie mit neuen Gesetzen besser gegen Software-Klau,
Hacker Angriffe und Viren schützen.
Unter Netzterrorismus
versteht man dagegen gezielte Angriffe auf staatliche und
öffentliche Infrastrukturen wie Netzwerke, Datenbanken
oder Steuerungssysteme. Informationskriege und Cyberattacken
werden allerdings nicht nur von nichtstaatlichen Gruppen geplant.
Auch die Militärführungen der Staaten entwickeln
Strategien, wie man Informations- und Kommunikationstechnologien
in der Kriegsführung einbinden kann.
Unsere Rubrik „Piraten
& Terroristen“ behandelt den Schutz des Staates
und der Gesellschaft vor Kriminalität und terroristischen
Attacken. Die Konfliktlinie in der Rubrik „Virtuelle
Sicherheit“ verläuft zwischen der Angst vor krimineller
und terroristischer Gewalt und der Angst vor staatlicher Beschränkung
der Freiheitsrechte. Wird die virtuelle Bedrohung dazu benutzt,
die Kontrolle des Staates unverhältnismäßig
auszubauen?
Der UNO-Gipfel
zur Informationsgesellschaft (10. bis 12. Dezember 2003 in
Genf), aus dessen Anlass diese Internetseite entstand, wird
sich auch dem Thema Sicherheit in der Wissens- und Informationsgesellschaft
widmen. Vor allem die Regierungen drängen darauf, das
Thema Sicherheit auf dem UNO-Gipfel zu behandeln. Tatsächlich
ist zu klären, welche realen kriminellen und terroristischen
Gefahren existieren und wie der Staat auf diese Szenarien
reagiert.
Sie befinden sich
auf der ersten Seite der Rubrik „Piraten
& Terroristen“ im Oberthema „Virtuelle
Sicherheit“. In unseren Rubriken finden Sie folgende
Formate: Expertenstatements; Artikel „Aus der Praxis“;
Artikel „Aktuelles“; Links zum Thema und vieles
mehr.
- Zurück zur Rubrik "Piraten & Terroristen"
- Zum Forum "Piraten & Terroristen"
|