Gipfelthemen politik-digital.de
DGVN
  HOMEPAGE
 DIGITALE SPALTUNG
Leitungen & Festplatten
Medien & Kompetenz
Inhalte & Vorbilder
 WELTWEITE TRENDS
Wissen & Besitz
Multi & Kulti
Beteiligung & Spielregeln
 VIRTUELLE SICHERHEIT
Piraten & Terroristen
Daten & Schutz
 GLOBALE GEMEINSCHAFT
UNO & Info-Gesellschaft
Gipfel & Reformen
 COMMUNITY
Forum
Kalender
Linkliste
 PARTNER
Unterstützer
Medienpartner Interaktivpartner
 ÜBER UNS
Über dieses Projekt
DGVN
politik-digital
 KONTAKT/IMPRESSUM
Suche:
Gipfelthemen-Info:
Weitere Informationen erhalten Sie im kostenlosen Newsletter von politik-digital.de:
 
Daten & Schutz
SERVICE-FUNKTIONEN
Artikel verschicken
Druckversion erstellen
Ihr Kommentar
Kendra Reinhardt Datum:Wednesday, 03. November 2004
Von: Kendra Reinhardt <kendra.reinhardt@web.de>
An: redaktion@politik-digital.de
URL:  

Pervasive Computing: Was bringen uns "smart objects"?;

Das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), Berlin, hat in Kooperation mit dem Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS), Bern, an der Studie "Smarte Gegenstände - Folgen für Mensch und Umwelt" gearbeitet. Kendra Reinhardt wertet die Ergebnisse der Studie aus.

Die Ergebnisse dieser Studie, die die Auswirkungen der Computerisierung von Alltagsgegenständen untersucht, wurden am 23. September in Bern und Berlin vorgestellt. Der Direktor des IZT, Prof. Dr. Rolf Kreibich, betonte, dass es "eine Weltpremiere sei, dass dieses ganze Feld systematisch sondiert worden sei". Im Rahmen der Studie wurden mit Mikroelektronik ausgestattete Alltagsgegenstände untersucht, die heute oder in naher Zukunft auf dem Markt verfügbar sein werden. Die Studie will in einem möglichst frühen Stadium die ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Chancen und Risiken des Eindringens von computerisierten Objekten in die Alltagswelt erörtern und konzentriert sich dabei auf die Auswirkungen in den Bereichen Umwelt, Gesundheit und Sicherheit.

Pervasive Computing
Das Phänomen, das Wissenschaftlern unter dem Namen "Pervasive Computing" bekannt ist, beschreibt folgendes Szenario: Innerhalb von wenigen Jahren werden immer mehr Alltagsgegenstände mit Mikroelektronik ausgestattet und als Minicomputer unsere Lebenswelt in den kommenden Jahren entscheidend beeinflussen. Die so entstehenden "intelligenten" Objekte, auch "smart objects" genannt, werden ihren Dienst trotz ihrer Allgegenwart unsichtbar im Hintergrund ausführen. Über die Informations- und Kommunikationstechnologie wird die Durchdringung mit Computern sämtliche Bereiche der Gesellschaft erfassen: Verkehr, Arbeit, Wohnen, Gesundheit und Freizeitgestaltung können durch neue Technik revolutioniert werden. So wird beispielweise "intelligente" Kleidung mit Hilfe von Chips Zusatzfunktionen erfüllen und z.B. Daten über den Gesundheitszustand des Menschen erfassen und anzeigen.

Das Zukunftsszenario des "intelligenten" Kühlschranks illustriert anschaulich wie sich die "smart objects" in unseren Alltag integrieren könnten: Die mit Transpondern auf der Verpackung, mit sogenannten "smart labels", ausgestatteten Produkte werden beim Verlassen des Supermarktes automatisch vom Konto abgebucht. Nachdem der Käufer sie in den Kühlschrank gestellt hat, überwacht dieser das Haltbarkeitsdatum der Speisen und stellt mit passenden Rezeptvorschlägen auf dem Display sicher, dass diese nicht verderben, sondern rechtzeitig verbraucht werden.

Segen und Fluch?
Mit Hilfe drahtloser Kommunikation werden Minicomputer in der Lage sein sich untereinander zu vernetzen und die gesammelten Informationen auszutauschen. Die "smart objects" können ihr Verhalten der Umgebung anpassen und die je nach Bedarf erforderlichen Informationen ausgeben, was in der Fachsprache "Kontextsensitivität" heisst. So könnte in Zukunft mit einem Sensor ausgestattete Kleidung automatisch den nächsten Arzt alarmieren, um dem herzinfarktgefährdeten Patienten schnellstmöglichst Hilfe zukommen zu lassen.

Die Zweischneidigkeit des Pervasive Computing ist im Gesundheitswesen am offensichtlichsten. Auf der einen Seite fürchten Kritiker die Auswirkungen der Signale des drahtlosen Datenaustausches auf ihre Gesundheit, auf der anderen Seite versprechen sich Befürworter des "Personal Health Monitoring" von handlichen Geräten zur persönlichen Gesundheitsüberwachung eine höhere Lebensqualität z.B. für chronisch Kranke.

In diesem Zusammenhang wird auch der Datenschutz wieder in den Mittelpunkt rücken, da über "smart objects" auf einfache Weise Daten über den Benutzer gesammelt und übermittelt werden können. Zwar sieht Artikel 4 des Datenschutzgesetzes vor, dass Personendaten nur zu dem Zweck bearbeitet werden dürfen, der bei der Beschaffung angegeben wurde, doch dürfte sich die jeweilige Abgrenzung als schwierig erweisen.

Schattenseiten der "Intelligenz"
Die Durchdringung von Umwelt und Gesellschaft mit digitalen Chips birgt generell neue Risiken und Gefahren in sich. Trotz des Trends zur Miniaturisierung der Technik ist davon auszugehen, dass die Abfallmenge in Zukunft eher zunehmen wird. Damit die Leistungsfähigkeit der Technik erhalten bleibt, wird eine entsprechend höhere Anzahl von Mikroprozessoren benötigt. Darüber hinaus macht es die feine Verteilung toxischer Stoffe, z.B. im Fall der "smart labels", erforderlich, das bestehende Recyclingsystem zu überarbeiten.

Mit dem Einzug der "intelligenten" Alltagsgegenstände wird auch der Stromverbrauch unweigerlich ansteigen. Das wahrscheinlich größte Problem mit dem wir im Zusammenhang des Pervasive Computing konfrontiert werden, wird jedoch "virtueller Verschleiß" sein. Ähnlich wie die Lebensdauer von PCs in der Regel höher ist als deren reale Nutzungsdauer, wird intelligente Technik in Alltagsgegenständen bewirken, dass mit dem Altern der Technologie das Gerät in immer kürzeren Intervallen gegen ein neues ausgewechselt wird.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass künftig auch andere Branchen Modetrends unterliegen werden. Siegfried Behrendt, Fachbereichsleiter des IZT bestätigt, dass "davon auszugehen ist, dass der Trend zur weiteren Digitalisierung des Alltags anhält und größere Auswirkungen haben wird als das, was wir vom Internet bereits kennen". Es besteht die Gefahr, dass ein "intelligenter" Kühlschrank, der auch Unterhaltungsfunktionen integriert, durch die Weiterentwicklung der Technik schneller veraltet und ebenso aus Trendgründen ausrangiert wird wie wir das bereits beim Handy kennen. Auf die Umwelt kann das entscheidende Auswirkungen haben.

Das Risiko in der Informationsgesellschaft
Frühzeitige Risikokommunikation kann sich für alle Beteiligten auszahlen, da so rechtzeitig Alternativen entwickelt werden können, die vom Verbraucher besser angenommen werden. Prof. Dr. Kreibich betonte, dass "Anstöße zur Diskussion über Risiken neuer Technologien seit über 30 Jahren insbesondere aus der Zivilgesellschaft kämen, von Verbraucherschutzverbänden oder Bürgerinitiativen beispielsweise". Daher sei es wichtig, diese zu stärken, damit in der Öffentlichkeit ein breiteres Bewusstsein für Chancen und Risiken neuer Technologien entsteht, zumal die Minicomputer trotz ihrer Allgegenwart häufig unsichtbar sind. In Zukunft werden wir alle mit der Ausbreitung des Computers in alle Lebensbereiche auch vor neue Herausforderungen gestellt werden. So sind in einer vollständig vernetzten Welt neue Formen von Computerkriminalität denkbar.

Eine Gesellschaft, die immer mehr auf drahtlose Kommunikation und digitale Datenverarbeitung setzt, wird für alle Formen von Cyberkriminalität wie Computerviren oder unbefugtes Programmieren anfällig. Wie verwundbar die Informationsgesellschaft wirklich ist, wird sich also erst noch zeigen.

Erschienen bei gipfelthemen.de am 05.11.2003

  • Zurück zur Rubrik "Daten & Schutz"
  • Zum Forum "Daten & Schutz"
NACH OBEN © Copyright 1998-2010 pol-di.net e.V. Alle Rechte vorbehalten.
Weiternutzung der Inhalte nur unter folgenden Bedingungen.
politik-digital Datenschutzrichtlinie.