Pervasive Computing: Was bringen uns "smart objects"?;
Das Institut
für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), Berlin,
hat in Kooperation mit dem Zentrum
für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-SWISS), Bern, an
der Studie "Smarte Gegenstände - Folgen für Mensch und Umwelt"
gearbeitet. Kendra Reinhardt wertet die Ergebnisse der Studie
aus.
Die Ergebnisse dieser Studie, die die Auswirkungen der
Computerisierung von Alltagsgegenständen untersucht, wurden am 23. September in
Bern und Berlin vorgestellt. Der Direktor des IZT, Prof. Dr.
Rolf Kreibich, betonte, dass es "eine Weltpremiere sei, dass
dieses ganze Feld systematisch sondiert worden sei". Im Rahmen
der Studie wurden mit Mikroelektronik ausgestattete Alltagsgegenstände
untersucht, die heute oder in naher Zukunft auf dem Markt
verfügbar sein werden. Die Studie will in einem möglichst
frühen Stadium die ökologischen, ökonomischen, sozialen und
kulturellen Chancen und Risiken des Eindringens von computerisierten
Objekten in die Alltagswelt erörtern und konzentriert sich
dabei auf die Auswirkungen in den Bereichen Umwelt, Gesundheit
und Sicherheit. Pervasive Computing Das Phänomen, das Wissenschaftlern
unter dem Namen "Pervasive Computing" bekannt ist, beschreibt
folgendes Szenario: Innerhalb von wenigen Jahren werden immer
mehr Alltagsgegenstände mit Mikroelektronik ausgestattet und
als Minicomputer unsere Lebenswelt in den kommenden Jahren
entscheidend beeinflussen. Die so entstehenden "intelligenten"
Objekte, auch "smart objects" genannt, werden ihren Dienst
trotz ihrer Allgegenwart unsichtbar im Hintergrund ausführen.
Über die Informations- und Kommunikationstechnologie wird
die Durchdringung mit Computern sämtliche Bereiche der Gesellschaft
erfassen: Verkehr, Arbeit, Wohnen, Gesundheit und Freizeitgestaltung
können durch neue Technik revolutioniert werden. So wird beispielweise
"intelligente" Kleidung mit Hilfe von Chips Zusatzfunktionen
erfüllen und z.B. Daten über den Gesundheitszustand des Menschen
erfassen und anzeigen.
Das Zukunftsszenario des "intelligenten"
Kühlschranks illustriert anschaulich wie sich die "smart objects"
in unseren Alltag integrieren könnten: Die mit Transpondern
auf der Verpackung, mit sogenannten "smart labels", ausgestatteten
Produkte werden beim Verlassen des Supermarktes automatisch
vom Konto abgebucht. Nachdem der Käufer sie in den Kühlschrank
gestellt hat, überwacht dieser das Haltbarkeitsdatum der Speisen
und stellt mit passenden Rezeptvorschlägen auf dem Display
sicher, dass diese nicht verderben, sondern rechtzeitig verbraucht
werden.
Segen und Fluch? Mit Hilfe drahtloser Kommunikation
werden Minicomputer in der Lage sein sich untereinander zu
vernetzen und die gesammelten Informationen auszutauschen.
Die "smart objects" können ihr Verhalten der Umgebung anpassen
und die je nach Bedarf erforderlichen Informationen ausgeben,
was in der Fachsprache "Kontextsensitivität" heisst. So könnte
in Zukunft mit einem Sensor ausgestattete Kleidung automatisch
den nächsten Arzt alarmieren, um dem herzinfarktgefährdeten
Patienten schnellstmöglichst Hilfe zukommen zu lassen.
Die
Zweischneidigkeit des Pervasive Computing ist im Gesundheitswesen
am offensichtlichsten. Auf der einen Seite fürchten Kritiker
die Auswirkungen der Signale des drahtlosen Datenaustausches
auf ihre Gesundheit, auf der anderen Seite versprechen sich
Befürworter des "Personal Health Monitoring" von handlichen
Geräten zur persönlichen Gesundheitsüberwachung eine höhere
Lebensqualität z.B. für chronisch Kranke.
In diesem Zusammenhang
wird auch der Datenschutz wieder in den Mittelpunkt rücken,
da über "smart objects" auf einfache Weise Daten über den
Benutzer gesammelt und übermittelt werden können. Zwar sieht
Artikel 4 des Datenschutzgesetzes vor, dass Personendaten
nur zu dem Zweck bearbeitet werden dürfen, der bei der Beschaffung
angegeben wurde, doch dürfte sich die jeweilige Abgrenzung
als schwierig erweisen.
Schattenseiten der "Intelligenz" Die
Durchdringung von Umwelt und Gesellschaft mit digitalen Chips
birgt generell neue Risiken und Gefahren in sich. Trotz des
Trends zur Miniaturisierung der Technik ist davon auszugehen,
dass die Abfallmenge in Zukunft eher zunehmen wird. Damit
die Leistungsfähigkeit der Technik erhalten bleibt, wird eine
entsprechend höhere Anzahl von Mikroprozessoren benötigt.
Darüber hinaus macht es die feine Verteilung toxischer Stoffe,
z.B. im Fall der "smart labels", erforderlich, das bestehende
Recyclingsystem zu überarbeiten.
Mit dem Einzug der "intelligenten"
Alltagsgegenstände wird auch der Stromverbrauch unweigerlich
ansteigen. Das wahrscheinlich größte Problem mit dem wir im
Zusammenhang des Pervasive Computing konfrontiert werden,
wird jedoch "virtueller Verschleiß" sein. Ähnlich wie die
Lebensdauer von PCs in der Regel höher ist als deren reale
Nutzungsdauer, wird intelligente Technik in Alltagsgegenständen
bewirken, dass mit dem Altern der Technologie das Gerät in
immer kürzeren Intervallen gegen ein neues ausgewechselt wird.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass künftig auch andere
Branchen Modetrends unterliegen werden. Siegfried Behrendt,
Fachbereichsleiter des IZT bestätigt, dass "davon auszugehen
ist, dass der Trend zur weiteren Digitalisierung des Alltags
anhält und größere Auswirkungen haben wird als das, was wir
vom Internet bereits kennen". Es besteht die Gefahr, dass
ein "intelligenter" Kühlschrank, der auch Unterhaltungsfunktionen
integriert, durch die Weiterentwicklung der Technik schneller
veraltet und ebenso aus Trendgründen ausrangiert wird wie
wir das bereits beim Handy kennen. Auf die Umwelt kann das
entscheidende Auswirkungen haben.
Das Risiko in der Informationsgesellschaft
Frühzeitige Risikokommunikation kann sich für alle Beteiligten
auszahlen, da so rechtzeitig Alternativen entwickelt werden
können, die vom Verbraucher besser angenommen werden. Prof.
Dr. Kreibich betonte, dass "Anstöße zur Diskussion über Risiken
neuer Technologien seit über 30 Jahren insbesondere aus der
Zivilgesellschaft kämen, von Verbraucherschutzverbänden oder
Bürgerinitiativen beispielsweise". Daher sei es wichtig, diese
zu stärken, damit in der Öffentlichkeit ein breiteres Bewusstsein
für Chancen und Risiken neuer Technologien entsteht, zumal
die Minicomputer trotz ihrer Allgegenwart häufig unsichtbar
sind. In Zukunft werden wir alle mit der Ausbreitung des Computers
in alle Lebensbereiche auch vor neue Herausforderungen gestellt
werden. So sind in einer vollständig vernetzten Welt neue
Formen von Computerkriminalität denkbar.
Eine Gesellschaft,
die immer mehr auf drahtlose Kommunikation und digitale Datenverarbeitung
setzt, wird für alle Formen von Cyberkriminalität wie Computerviren
oder unbefugtes Programmieren anfällig. Wie verwundbar die
Informationsgesellschaft wirklich ist, wird sich also erst
noch zeigen.
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