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Bettina Kroll Datum: Thursday, 18. November 2004 18.11.2004
Von: Bettina Kroll<BettinaKroll@web.de>
An: gipfelthemen@politik-digital.de
URL: keine

Und sie bewegt sich doch...
Über das erste Treffen der Task Force on Financial Mechanisms (TFFM)

Am 4. Oktober 2004 kam in New York zum ersten Mal die Task Force on Financial Mechanisms (TFFM) zusammen. Ziel der TFFM ist es zu untersuchen, inwieweit sich die bisher existierenden Finanzierungsmechanismen zur Bewältigung der mit dem Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im Dienste der Entwicklung verbundenen Herausforderungen eignen.

Hintergrund

Die Einrichtung dieser Arbeitsgruppe wurde beschlossen, da sich die Industrie- und Entwicklungsländer im Verlauf der ersten Phase des UN-Weltgipfels zur Informationsgesellschaft (WSIS) nicht über die Finanzierungsfrage zur Überwindung der Digitalen Spaltung (Digital Divide) einigen konnten. Während mehrere Entwicklungsländer einen Solidarity Fund forderten, weigerten sich die Industrieländer jedoch entschieden einem multilateralen Fonds zuzustimmen. Da dieser ein Mitspracherecht der Entwicklungsländer mit sich brächte.

Um einer Lösung näher zu kommen, wurde in einem Aktionsplan festgehalten, dass alle bestehenden Finanzierungsoptionen voll auszuschöpfen sind. Ausserdem soll bis Ende Dezember 2004 abzuschließend überprüft werden, inwieweit sich die bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten zur Bewältigung des Problems der „Digitalen Spaltung“ eignen. Diese Untersuchung wird von einer Arbeitsgruppe unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs der Vereinten Nationen durchgeführt und soll in der zweiten Phase des Weltgipfels zur Behandlung vorgelegt werden.

UN-Generalsekretär Kofi Annan übertrug die Leitung dieser Arbeitsgruppe an das United Nations Development Program (UNDP) in Zusammenarbeit mit anderen Partnern - einschließlich der Weltbank und der UN-Hauptabteilung „Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten“. Den Vorsitz übernahm Mark Malloch Brown, Administrator des UNDP. Er sagte: „It has been demonstrated that ICT can change the way development takes place and, used effectively, it can be a powerful tool, contributing to the achievement of the Millennium Development Goals.“ Weiterhin sagte er, dass die Aufgabe der Arbeitsgruppe im Aufzeigen von Möglichkeiten zur Erreichung höherer Zugangs- und Nutzungdaten des Internets läge und nicht darin, mit einem verhandelten Text aufzuwarten. Dies sei Aufgabe des Gipfeltreffens selbst.

Verlauf und Ergebnisse der ersten Sitzung

Im Laufe des ersten Task Force Treffens wurde festgehalten, dass der Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) hauptsächlich aufgrund der Beteiligung des privaten Sektors dramatisch an-gewachsen ist. Dennoch bleibt vielen Menschen in Entwicklungsländern, besonders denen, die nicht in Großstädten leben, der Zugang verwehrt. Mit Hilfe von ICT könnten sie einen besseren Zugang zu öffentlichen Diensten und Schlüsselinformationen erlangen sowie von der verbesserten Reichweite von Bildung und Ge-sundheitsdiensten profitieren. José Antonio Ocampo, Untergeneralsekretär für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten, wiederholte die Notwendigkeit der TFFM, um sich einen Überblick über die verschiedenen Formen der Bereitstellungsmöglichkeiten zu verschaffen und um Empfehlungen auf der Basis des praktisch Umsetzbaren abgeben zu können.

Aber auch Kritik wurde geäußert: „While there has been a lot of focus on telecommunications infrastructure, the role of human infrastructure development, though absolutely central has been less emphazised”, stellte Rajindra Pawar - leitender Geschäftsführer von NIIT, India - fest. Seiner Meinung nach handelt es sich bei der ICT nicht um einen Bereich, der automatisch großes Interesse des Privatsektors weckt. Es müsse außerdem garantiert werden, dass man keinen Technology-First-Ansatz verfolgt, sondern sich gleichzeitig auf verschiedene miteinander verbundene Gebiete konzentriert.

Insgesamt waren sich die Teilnehmer weitgehend darüber einig, dass der Bericht der Arbeitsgruppe umsetzbar sein muss. Weiterhin sollen die Einschätzungen der aktuellen Finanzierungs-möglichkeiten nachvollziehbar sein und dabei helfen, die Verhandlungen im Rahmen des Vorbereitungsprozesses des WSIS in Tunis zu vereinfachen.

Zukünftige Entwicklung

„The work of the Task Force will be open and consultative“, sagte Shoji Nishimoto, stellver-tretender Ad-ministrator und Direktor des UNDP Büros für Entwicklungspolitik. Dementsprechend sollen neben erbetenen Inputs von Experten auch erweiterte Treffen mit Stakeholdern durchgeführt werden.

In der Zeit vom 25. Oktober bis zum 24. November 2004 kann jeder seine Vorschläge zu der Frage “How can financial resources be most effectively mobilized to help harness the potential of ICT to promote human development throughout the world?” im Rahmen eines online Forums einbringen. Die dort gesammelten Informationen werden gegebenenfalls in den Bericht der TFFM einbezogen.

Weiterhin fand am 16. November in Genf ein informelles öffentliches Treffen statt. Der Berichtsentwurf der Task Force soll schließlich am 29. November bei einem Treffen in New York abschließend ausgearbeitet werden. Der endgültige Bericht soll dem UN-Generalsekretär im Dezember präsentiert und bei einem zweiten Treffen des Gipfelvorbereitungskomitees im Februar 2005 in Genf aufgegriffen werden.

Es wird sich jedoch zeigen, ob die Bemühungen und Ergebnisse der Task Force zu einer Lösung der Finanzierungsfrage beitragen können oder ob auch in der zweiten Phase des WSIS einzelne Länder oder Regionen wieder nur zu Scheinkompromissen bereit sind. Besonders Deutschland sollte überdenken, welche Prioritäten es setzen will und welcher Weg verfolgt werden soll. Denn selbst der äußerst wagen Formulierung in der Grund-satzerklärung „Wir erkennen an, dass einige den Willen bekundet haben, einen internationalen freiwilligen „Fonds für digitale Solidarität“ einzurichten, und andere dafür sind, Studien über die vorhandenen Mechanismen sowie über die Effizienz und Praktikabilität eines derartigen Fonds durchzuführen“ stimmte die EU – offenbar bedingt durch die deutsche Position - nur zögerlich zu.

Daher bleibt abzuwarten, welche Folgen sich aus der Arbeit der Task Force tatsächlich ergeben werden.

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