Deutschland sucht den Super-CIO
(Artikel) Die gute Nachricht des IT-Gipfels: Seit
dem 10. Dezember 2007 gibt es den Bundes-CIO, den obersten
Verantwortlichen für Informationstechnik. Die schlechte
Nachricht: Hans-Bernhard Beus hat eine klassische Beamtenkarriere
hinter sich und noch nie in der IT-Wirtschaft gearbeitet.
Chief Information Officer (CIO), das klingt ausgesprochen
wichtig. Noch besser klingt Bundes-CIO – ein oberster
Verantwortlicher für Informationstechnik in Deutschland.
Was hätte so ein Bundes-CIO für Möglichkeiten!
Endlich einer, der seine ganze Kompetenz dafür einsetzt,
der deutschen IT auf die Sprünge zu helfen. Einer, der
sich mit seinen Entscheidungen auch politisch durchsetzt und
der die IT-Modernisierung von Bund und Ländern voran
treibt. Die Einführung einer solchen Position wird schon
seit langer Zeit u.a. vom Branchenverband Bitkom gefordert.
Die gute Nachricht: Seit dem 10.12.2007 gibt es so einen
Bundes-CIO. Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte auf dem
zweiten nationalen IT-Gipfel in Hannover Hans-Bernhard Beus,
Staatssekretär im Bundesinnenministerium, als obersten
Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik
vor.
Die schlechte Nachricht: Wirklich wichtig scheint seine Position
nicht zu sein. Beus wird seine neue Stelle nicht Vollzeit,
sondern neben seinen Tätigkeiten als Staatssekretär
betreuen. Wie viel Zeit und Energie er also tatsächlich
in die neu geschaffene Position investieren kann, ist fraglich.
Der promovierte Jurist Beus beschäftigt sich als Staatssekretär
mit dem Thema Bürokratieabbau, im IT-Bereich hat er bisher
noch nie gearbeitet. Entscheidungsbefugnisse hat er nicht,
sondern der „Rat der IT-Beauftragten“, in dem
alle Bundesministerien vertreten sind. Der Bundes-CIO kann
lediglich Empfehlungen geben.
„Lutschpastille und Placebo“
„Das ursprüngliche Konzept wurde bis zur Unkenntlichkeit
entstellt“, urteilte Thomas Langkabel vom IT-Dienstleister
CSC im Namen der Initiative D21. Polemischer formuliert es
Michael Müller, Wirtschaftssenator des Bundesverbands
mittelständischer Wirtschaft (BVMW): „Der Bundes-CIO
ist eine Lutschpastille“, der verabschiedete Kompromiss
sei „reine Placebo-Politik“.
Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel
Der zweite nationale IT-Gipfel sei „ein voller Erfolg“
gewesen, verkündete der Branchendienst Bitkom. Es sei
„nicht nur geredet“ worden, sondern man habe „konkrete
Hightech-Projekte“ angepackt. Zu diesen Projekten gehört
allerdings eben auch die Einführung des Bundes-CIO.
Ansonsten bot der Gipfel wenig Neues. Bundeskanzlerin Angela
Merkel bekräftigte in ihrem Grußwort zum Gipfel,
dass der eingeschlagene Kurs im IT-Bereich fortgesetzt werden
solle. Projekte wie die Einrichtung einer einheitlichen Behördenrufnummer
115 und das Forschungsprogramm Theseus standen bereits letztes
Jahr auf der Agenda.
Die Bürgernähe der Veranstaltung war kritikwürdig:
Gesprächsrunden gab es ausschließlich zwischen
den geladenen Politikern und Experten aus Wissenschaft und
Wirtschaft, einen Dialog bspw. mit interessierten Abiturienten
und Studenten gab es nicht. Schon vor dem ersten IT-Gipfel,
der im Dezember 2006 in Potsdam stattfand, hatten Vertreter
der deutschen Zivilgesellschaft (u.a. Christoph Dowe von politik-digital.de)
in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel diesen Ausschluss
der Zivilgesellschaft beklagt.
Nett gebloggt
Immerhin auf Web 2.0-Ebene konnte der zweite IT-Gipfel punkten:
Das IT-Gipfelblog dokumentiert vorbildlich in Video-Podcasts
und Text-Beiträgen das gesamte Event, Beiträge können
kommentiert und bewertet werden – allerdings nur von
angemeldeten Nutzern.
IT-Gipfelblog 07.
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