Weltweiter Zugang zu unzensierten, objektiven
Informationen
Vertreter von Regierungen, der Wirtschaft und der
Zivilgesellschaft werden diese Woche vom 16. bis 18. November
in Tunis (Tunesien) für die zweite Phase des Weltgipfels
zur Informationsgesellschaft (WSIS) zusammentreffen. Ein Hintergrundbericht.
Die digitale Revolution, die von der Maschinerie der Informations-
und Kommunikations-technologie angetrieben wird, hat die Art
und Weise wie die Menschen denken, sich verhalten, miteinander
kommunizieren, arbeiten und ihren Lebensunterhalt verdienen,
grundlegend verändert. Obgleich die Anzahl der Internetnutzer
in den armen Regionen substanziell zugenommen hat, bleibt
die Kluft zwischen entwickelten und Entwicklungsländern
weit offen.
So sind beispielsweise 89 Prozent der Unternehmen in den
Staaten der Europäischen Union mit dem Internet verbunden.
Dagegen trifft das nur auf 5 Prozent der Firmen in Mauritius
und auf 9 Prozent der Firmen in Thailand zu.
Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) erkannte, dass diese
neue Dynamik einer internationalen Diskussion bedurfte und
beschloss 1998, auf Vorschlag der tunesischen Regierung, einen
Weltgipfel zur Informationsgesellschaft abzuhalten. Im Jahr
2001 entschied der Rat der Internationalen Fernmeldeunion,
den Gipfel in zwei Phasen durchzuführen.
Die erste sollte vom 10. bis 12. Dezember 2003 in Genf und
die zweite vom 16. bis 18. November 2005 in Tunis abgehalten
werden. Diese Entscheidung wurde von der Generalversammlung
der Vereinten Nationen begrüßt.
Das Ziel der ersten Phase, zu der sich mehr als 11.000 Teilnehmer
aus über 175 Staaten versammelten, war, eine klare Bekundung
des politischen Willens zu erarbeiten und zu festigen und
konkrete Schritte zu unternehmen, um die Voraussetzungen für
eine Informationsgesellschaft für alle zu schaffen, unter
Einbeziehung aller auf dem Spiel stehenden Interessen. In
dieser ersten Phase verabschiedeten die Teilnehmer eine gemeinsame
Prinzipienerklärung, die die Vorstellung der Länder
und Organisationen von einer Informationsgesellschaft umreißt.
Auch wurde ein Aktionsplan aufgestellt, um den weltweiten
Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien (ICTs)
zu verbessern.
Diese Woche werden um die 12.000 Repräsentanten von
UN-Organisationen, Regierungen, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft,
darunter UNO-Generalsekretär Kofi Annan und Vertreter
von bekannten Firmen wie Alcatel, Ericsson, Intel, Microsoft
und Nokia, für die zweite Phase des WSIS zusammenkommen.
Das Hauptziel des Gipfels ist es, Wege zu finden, um die digitale
Kluft zu überbrücken, aber auch über die Zukunft
der Internet-Verwaltung zu diskutieren und den Aktionsplan
aus dem Jahr 2003 wirksam umzusetzen.
Zu den Höhepunkten des Gipfels gehören die Veröffentlichung
des neuen bahnbrechenden ITU Berichts “The Internet
of Things” (Das Internet der Dinge), das ITU Rundtischegespräch
“Verbinde die Welt”, und der Start der Hundert-Dollar-Laptop
Initiative am 16. November. Eine andere den Gipfel begleitende
Veranstaltung ist die ICT4all-Ausstellung, auf der auch Österreich
mit dem Bundeskanzleramt, vier Ministerien und neun Firmen
vertreten sein wird, um seine innovativen Projekte im österreichischen
e-Content Dorf zu präsentieren. Die Ausstellung der Aktivitäten
von mehr als 100 NGOs und privatwirtschaftlichen Betrieben
will zeigen, wie man das Ziel, qualitativ hochwertige digitale
Informationen jedermann zugänglich zu machen, erreichen
kann. Ebenfalls auf der ICT4all-Ausstellung veranschaulicht
die Wiener UNO Organisation für Industrie und Entwicklung
(UNIDO) wie Informationstechnologie in Klein- und Mittelständischen
Betrieben zu einer Entwicklung beitragen kann, die vom Erkennen
von Geschäftsmöglichkeiten bis zur Vereinbarung
von Partnerschaften reicht.
UNIDO integriert Informationstechnologien in seine technischen
Hilfsprojekte und Aktivitäten seines Globalen Forums,
um Informationsaustausch und internationale Netzwerke zu fördern
und dafür elektronische Partnerschaften; elektronische
Projektmanagement-Techniken sowie wachsende Produktivität
und Qualität durch E-Netzwerke für Geschäfts-
und Know-How-Zusammenarbeit zu nutzen.
Überdies wird es in Tunis ungefähr 300 Parallelveranstaltungen
zum Weltgipfel zur Informationsgesellschaft, unter anderem
Präsentationen und Diskussionsrunden von Teilnehmern
zu wichtigen Themen der Informationsgesellschaft von morgen,
geben. Eine dieser Veranstaltungen ist das vom 15. bis 16.
November stattfindende Weltforum für elektronische Medien,
das vom Rundfunkverband der arabischen Staaten und dem Verband
des Weltforums für elektronische Medien, in Zusammenarbeit
mit der Hauptabteilung Presse und Information der Vereinten
Nationen, organisiert wird. Das Forum wird Führungskräfte
und Praktiker aus den Medien von entwickelten und Entwicklungsländern,
sowie Politiker und Fachleute der Vereinten Nationen zusammenbringen,
um die Rolle von elektronischen Medien in der Informationsgesellschaft
zu diskutieren.
Dem aktuellsten, von der Handels- und Entwicklungskonferenz
der Vereinten Nationen (UNCTAD) herausgegebenen “Information
Economy Report” zufolge, bringt die digitale Kluft Nachteile
für das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer.
Der Bericht zeigt auf, dass nicht-industrialisierte Staaten
durch den geringen Zugang zum Internet vor große Herausforderungen
im Bereich des Handels gestellt sind. Besonders im Tourismus
könnte das Internet diesen Ländern enorme Vorteile
bringen, da viele Urlauber ihre Reisen gern online buchen.
Mit dem Internet verbunden zu sein, bedeutet Zugang zu einer
Unmenge von Informationen zu haben, was als sehr wichtige
Wirtschaftsquelle im 21. Jahrhundert gilt.
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan,
betonte die Wichtigkeit von ICTs für den wirtschaftlichen
und sozialen Fortschritt: „Vom Handel bis zur Telemedizin,
von Bildung bis Umweltschutz, haben wir die Fähigkeit,
den Lebensstandard von vielen Millionen Menschen zu verbessern,
in der Hand, auf unserem Desktop und im Weltall über
uns.
Informations- und Kommunikationstechnologien sind kein Wundermittel
und keine Zauberformel, aber sie können das Leben jedes
Menschen auf diesem Planeten verbessern. Wir haben die Werkzeuge,
die uns in Richtung der Millenniums-Entwicklungsziele führen,
die Instrumente, mit denen wir Freiheit und Demokratie vorantreiben
können, und die Verfahren, mit denen wir Wissen und gegenseitiges
Verständnis propagieren können. Wir alle haben dieses
besondere Potential. Die Herausforderung bei diesem Gipfel
ist, was wir daraus machen.“
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