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Meike Ullrich
Von: Meike Ullrich <mail[AT]meikeullrich.de>
An: redaktion@politik-digital.de
URL: www.meikeullrich.de

Die Prioritäten der EU-Kommission

Ein halbes Jahr nach dem zweiten Teil des Weltinformationsgipfels in Tunis hat die EU-Kommission ihre nächsten Schritte bekannt gegeben.Die auf dem Gipfel zugesagten politischen Ziele sollen im Rahmen der auf dem WSIS neu geschaffenen Instrumente des Internet Governance Forum und dem Mechanismus der verstärkten Zusammenarbeit erreicht werden.

In einem zwölfseitigen Papier erläutert die Kommission ihre Prioritäten bei der Umsetzung der Pläne. Ganz oben auf der Liste steht der Schutz und der Ausbau der Menschenrechte, insbesondere im Hinblick auf den freien Empfang und den Zugang von Informationen. „Die Europäische Union muss Vorreiter und Vorkämpfer sein, wenn es um die Schaffung einer offenen, zugänglichen und ungeteilten globalen Informationsgesellschaft und den freien Austausch von Informationen, Ideen und Meinungen weltweit geht. Eingriffe in die Basisarchitektur des Internets sind nicht mehr zu rechtfertigen, es sei denn, dass sie auf der Grundlage allgemein akzeptierter ordnungspolitischer Grundsätze erfolgen,“ bekräftigte Viviane Reding, die EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien.

Das IGF ist ein Versuch, die Streitigkeiten zwischen der EU, den Entwicklungsländern und den USA bezüglich der Verwaltung des Internets beizulegen. Für viele Experten ist dies allerdings ein fauler Kompromiss, da die Aufsicht der US-Regierung über das Netz weiterhin besteht. Internet-Governance Experte Wolfgang Kleinwächter bezeichnet das Papier der EU im Gespräch mit heise.de als Friedensangebot an die USA. Man wolle mit der neu entdeckten Gemeinsamkeit bei der Verwaltung und Kontrolle des Internets deutlich machen, dass zwar weiterhin ein neues, gleichberechtigtes Kooperationsmodell gewünscht sei, diese aber der Freiheit und Stabilität des Netzes unterzuordnen sei.

Priorität hat für die EU auch die Bekämpfung der Zensur im Internet. Der Missbrauch der Informations- und Kommunikationstechnologien durch repressive Regime müsse bekämpft werden. Die Kommission fordert die betroffenen Unternehmen auf, in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen einen Verhaltenskodex zu diesem wichtigen Thema auszuarbeiten. Der Ruf der EU nach mehr Freiheiten im Netz scheint vorbildlich, widerspricht aber andererseits anderen Plänen wie etwa der neuen EU-Fernsehrichtlinie, mit der zukünftig auch Netzinhalte stärker kontrolliert werden sollen Abzuwarten bleibt, ob die Pläne der EU über ein Strategiepapier hinaus gehen werden und welche konkreten Schritte in der nächsten Zeit getan werden. Ein Anfang könnte das erste Treffen des Internet Governance Forum im Oktober in Athen sein.

Erschienen bei gipfelthemen.de am 19.05.2006
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