Das erste Internet-Governance-Forum in Athen
Vom 30. Oktober bis 2. November 2006 fand das erste
Governance-Internet-Forum der UN in Athen statt. Über
1200 Teilnehmer und Regierungsvertreter diskutierten über
die Neuordnung des Internets. Dabei wurden wichtige Aspekte
des Weltgipfels zur Informationsgesellschaft aufgegriffen
und fortentwickelt.
„Weltweiter Zugang, und zwar für alle“,
lautet die zentrale Forderung des ersten Internet-Governance-Forums
der UN in Athen. Vom 30. Oktober bis 2. November 2006 diskutierten
über 1200 Teilnehmer und Regierungsvertreter über
Sicherheit, Zugang und Chancen des World Wide Web. Zu einer
Neuordnung des Internets oder einer bindenden Beschlussfassung
kam es nicht. Wie sich der informellen
Zusammenfassung entnehmen lässt, wurden jedoch wichtige
Aspekte des in zwei Phasen abgehaltenen Weltgipfels zur Informationsgesellschaft
(WSIS I/II)
aufgegriffen und fortentwickelt. Das Forum ist eine der konkreten
Folgemaßnahmen des Weltgipfels vom November 2005 in
Tunis.
Insgesamt fanden acht Hauptsitzungen und über 30 Workshops
statt. Den Teilnehmern bot sich die einmalige Möglichkeit,
Themen von A (wie Anti-Spam) bis Z (wie Zugang) zu erörtern.
Problematisch beim Zugang zum Internet ist, dass es vielerorts
an intakter Hardware mangelt und die Alphabetisierungsrate
zu gering ist. Aber auch interkulturelle Aspekte in den jeweiligen
Sprachfamilien spielen eine Rolle. So wird von den Teilnehmern
befürchtet, dass sich der asiatische Raum mit seiner
Vielzahl von Schriftzeichen und Nutzern abkapseln könnte.
Insbesondere in Sachen Namensgebung (Domainvergabe),
Länderkürzeln Domainendungen (Top-Level-Domains)
und anderen Strukturfragen wird die US-amerikanische Vorherrschaft
vielfach kritisiert. Denn bislang entscheidet darüber
allein die Non-Profit-Organisation ICANN
(Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) mit
Sitz in den Vereinigten Staaten. Ob es zu einer wahren Spaltung
des Internets kommt, bleibt abzuwarten. Auch das erste Internet-Governance-Forum
der Vereinten Nationen gab keine Antwort darauf.
Das Internet soll „für alle zugänglich, nutzbar
und sicher sein“, so der zuständige Berater des
UN-Generalsekretärs, Nitin Desai, über die Nutzung
des Internets. „In allen Diskussionen ging es vor allem
um die Frage der Gleichberechtigung – ein bestmöglicher
Internetzugang muss für alle Menschen eingefordert werden“,
fügte er hinzu. Daher verwundert es nicht, dass im Rahmen
dieser Plattform auch über die Wertstellung des Internets
als „öffentliches Gut“ diskutiert wurde.
Zwei Fragen drängten sich im Anschluss daran auf: Kann
das Internet mittels einer Exekutivgewalt „verwaltet“
werden, oder sollen die innerstaatlichen Marktkräfte
weiterhin über die Zugangsmöglichkeiten entscheiden?
Die Teilnehmer lehnten die Vorstellung einer zentralen Verwaltungsbehörde
als Wächter ab. Das Internet sei schließlich das
Medium, welches sich auch in Zukunft stark verändern
werde. „Daher muss eine Struktur beibehalten werden,
die eine solche Fortentwicklung unkompliziert und ohne zentrale
Exekutivgewalt ermöglicht“, fordert Desai.
Trotzdem dürfen sich die Regierungen dieser Thematik
nicht verschließen. Denn das Internet stellt mittlerweile
ein Medium dar, das für die Verwaltungen und Volkswirtschaften
aller Länder unverzichtbar ist. UN-Generalsekretär
Kofi Annan wies in seiner Eröffnungsrede
darauf hin, dass mit mehr als einer Milliarde Nutzern weltweit
und einer stetig steigenden Anzahl von Interessierten, das
Internet zu wichtig geworden sei, als dass die Rahmenbedingungen
gänzlich ohne die Weltöffentlichkeit entschieden
werden könnten.
Ginge es nach den Organisatoren des ersten Internet-Governance-Forums
der UN, soll Athen nur der Anfang sein. In den kommenden Jahren
werden weitere Treffen stattfinden, durch die Druck auf die
Politik ausgeübt werden soll. Denn auch die Menschen
in Schwellen- und Entwicklungsländern sollen Zugang zu
modernen Informationsquellen erhalten.
Folglich ist es kein Zufall, dass die Treffen vor allem in
diesen Ländern stattfinden. Dementsprechend heißen
in den kommenden Jahren Brasilien, Indien, Ägypten, Aserbaidschan
und Litauen die „Internet Community“ willkommen.
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