Es sind noch lange nicht alle beteiligt!
Gegenveranstaltungen zum UNO-Gipfel.
Die dritte Vorbereitungskonferenz zum UNO Weltgipfel zur
Informationsgesellschaft, im Dezember 2003 in Genf, ist angelaufen.
Unabhängige Aktivisten trafen sich zuvor in Amsterdam
um Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Gipfelprozess
zu konkretisieren.
Rund um den UNO-Gipfel (WSIS10.-12.Dezember) werden mehrere
Gegen- und Nebenveranstaltungen stattfinden: gipfelthemen.de
zeigt welche Veranstaltungen es gibt, welche Ziele verfolgt
werden und welche Organisationen Aktivitäten vorbereiten.
Die NGO
Die Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO), haben sich
im Internet im weltweiten Kommunikations-Forum CRIS
eine Plattform geschaffen. Auf diesem Portal wird über
die Nebenaktivitäten der NGO als Vertreter der Zivilgesellschaft
zum Gipfel berichtet. Vor Ort in Genf ist ein “World
Forum on Communication Rights”
[WFCR] geplant. Dort können am 11. Dezember auf dem
offiziellen Gipfelgelände Themen erörtert werden,
die beim WSIS selbst nicht auf der Agenda stehen - alle offiziellen
und nicht offiziellen WSIS- Teilnehmer sind geladen. Ein Thema
ist zum Beispiel die Debatte um Kommunikation als Menschenrecht.
Das WFCR ist laut CRIS mehr Neben- als Gegengipfel und soll
Schnittstelle zwischen den Gegenveranstaltungen und dem Gipfel
sein.
Andere Aktionsgruppen und Medienprojekte
Viele Beobachter, der Vorbereitungsprozesse, darunter
auch CRIS, sind der Meinung, dass die Themen des WSIS nicht
den wirklichen Umständen unserer Informationsgesellschaft
entsprechen. Ein internationales Netz von Aktivisten sieht
hier die Chance anzusetzen und dem offiziellen Gipfel ein
umfangreiches Programm rund um ihre Auslegung der Informationsgesellschaft
entgegenzusetzen. Das gemeinsame Handeln der Aktivisten wird
größtenteils über das Geneva03–
Projekt realisiert - ein offener Verbund von unabhängigen
Medienmachern bis hin zu den Bewegungen für freie Software.
Ziel ist es Strukturen aufzubauen, die es den beteiligten
Aktionsgruppen ermöglichen konstruktive
Kritik am WSIS durch z.B. einen eigenen Kongress anzubringen.
Ein Kritikpunkt ist der Verdacht, dass sich hinter den Themen
des WSIS Interessen der nördlichen Staaten verbergen,
mit erweiterten Eigentumsrechten und Informationskontrolle
ihre Vorteile in der Welt auszubauen. Beobachtet und Hinterfragt
wird ebenso die Rolle der NGO beim WSIS.
Das Zentrum der Gegenveranstaltungen und des UNO-Gipfels
ist Genf. Ziel ist es vor Ort aktiv zu sein und gleichzeitig
Menschen aus aller Welt per Internet zu beteiligen. Hierzu
werden Globalisierungskritiker und die unabhängige Medienbewegung
zusammenarbeiten. Die laut Geneva03 geplanten Aktionen:
· Im Vorfeld des WSIS findet ein so genannter „MakeWorld“
- Kongress (06.-07.12.2003) statt. Diskussionen und Präsentationen
über Inhalte wie Informationskrieg, Informations- und
Bewegungsfreiheit werden veranstaltet. Kurz: Themen die beim
WSIS nicht auf der Agenda stehen.
· Das „Polymedia Lab“ wird im Anschluss
daran den WSIS über mehrere Tage begleiten.
Unter diesem Begriff werden Arbeitsgruppen weltweit interaktiv
zusammentreten. Mögliche Arbeitsgruppen sind unter anderem:
die Verbreitung unabhängiger Medien, P2P-Entwicklung,
freie Kommunikationsnetzwerke und Alternativen zu umstrittenen
Urheberrechten.
Ein weiterer Bestandteil des „Polymedia Lab“ ist
die Verbreitung von aktionsbezogenen Nachrichten mittels konventioneller
Medien wie Radio und Fernsehen und moderneren wie dem Internet.
Dadurch wird sich ein Austausch an Erfahrungen, Wissen und
Qualifikationen unter den Interessierten erhofft.
· Sehr interessant ist das dreitägige Livestreamprojekt
„Revolver“. Das Datum der Veranstaltung steht
jedoch noch nicht fest. Erstmals sollen weltweit erstellte
Beiträge sozialer Bewegungen in einer Datenbank gespeichert
werden. Während des Gipfels werden diese dann, geordnet
nach Regionen, über das Internet ausgestrahlt. Somit
wird die Verbindung zwischen lokalen und globalen Aktionen
verstärkt. Die beteiligten Indymedia-
Projekte besitzen auf diesem Gebiet schon einige Erfahrung;
so verwirklichten Sie zum letzten G8 Gipfel (Evian, Juni 2003)
ein unabhängiges Medienzentrum mit verschiedensten Nachrichtenströmen
per Internet.
Aussichten
Die Zivilgesellschaft wird zum ersten Mal an einem Gipfel
dieser Art teilnehmen und diese Chance zu nutzen wissen. Sollten
die Veranstalter jedoch, wie jüngst in Cancún
zum WTO- Treffen geschehen, einen Ausschluss der NGO von den
Verhandlungen erwirken wird die Gegenbewegung an Zulauf gewinnen.
Die alternativen Angebote sind eine Bereicherung für
den Gipfel. Umfangreiche Berichterstattung und das einfache
Erklären von Sachverhalten verknüpft mit praktischen
Beispielen könnte mehr Menschen erreichen als Debatten
auf Verhandlungsebene. Ein nächstes Vorbereitungs-treffen
zu den Gegenveranstaltungen findet zum Europäischen Sozialforum
(12.-16.11.2003) in Paris statt.
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