Der
seit bald 40 Jahren anhaltenden bewaffnete Konflikt in Kolumbien
hat schon über 100 Medienmitarbeiter das Leben gekostet.
Unter den Opfern finden sich Kameramänner, Radioreporter,
Buchautoren. Zuletzt traf es den Journalisten Juan Carlos
Benavides, der sich auch bei der Internet-Kampagne CRIS engagiert
hatte.
Kolumbien
und Medienfreiheit, das ist zunächst eine Ansammlung
von Zahlen. In den letzten vierzehn Jahren sind laut „Reporter
ohne Grenzen“ 114 Journalisten den bewaffneten Kämpfen
zum Opfer gefallen. Allein im Jahr 2002 wurden mehr als 60
Mitarbeiter von Medien aller Art entführt, seit Anfang
des Jahres 2003 sind bereits vier Journalisten umgekommen.
Erschreckend wirken die Zahlen erst, wenn sie ein Gesicht
bekommen. Das fünfte Opfer dieses Jahres ist Juan Carlos
Benavides, angestellt beim lokalen Radiosender „Manantial
Estéreo“ der Region Putumayo, im Süden Kolumbiens.
Der 25jährige engagierte sich nicht nur journalistisch
auf lokaler Ebene, er war auch aktives Mitglied der internationalen
CRIS-Kampagne („Communication
Rights in the Information Society“).
Todesschützen
entkamen unerkannt
Am 22. August 2003 ist Juan Carlos mit einem Kollegen und
drei Personen im Auto unterwegs von Puerto Caicedo nach Puerto
Asís. Dort hat der kolumbianische Präsident Alvaro
Uribe Vélez für den nächsten Tag seinen Besuch
angekündigt. Als sie auf eine illegale Straßenkontrolle
der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) stoßen,
weigern sie sich stehen zu bleiben. Die Guerillas eröffnen
sofort das Feuer auf das Fahrzeug.
Juan Carlos
stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus, sein Kollege Jaime Conrado
Juajiboy überlebt, schwer verletzt durch eine Schusswunde.
Die beiden verantworttlichen Guerilla-Kämpfer können
nicht identifiziert werden. Laut einer AP-Meldung vom 2. September,
die sich auf Quellen des kolumbianischen Militärs beruft,
sollen die beiden mutmaßlichen Täter nun in einem
bewaffneten Zusammenstoß zwischen Militärs und
FARC umgekommen sein.
Carlos
Tod verhindert Kritik von Mitgliedern aus seiner Gemeinde
Die Nichtregierungsorganisation Planeta
Paz, der auch Juan Carlos angehörte, koordiniert
die CRIS-Aktivitäten für Kolumbien. In einem Presse-Statement,
unterschrieben von 70 Angehörigen der Organisation, wird
der Tod des aktiven Mitgliedes bedauert: „Das Leben
eines beliebten Journalisten wurde ausgelöscht, und mit
ihm die Möglichkeit, verschiedene Stimmen aus der Gemeinde
zu hören, die von dem Konflikt betroffen ist.“
Kolumbien,
das ist auch zuletzt eine Ansammlung von Zahlen. Seit 39 Jahren
herrscht Bürgerkrieg, etwa 3500 Menschen, meist Zivilisten,
fallen ihm jährlich zum Opfer. Die FARC halten 21 Politiker
gefangen, unter ihnen die Ex-Kandidatin für die Präsidentschaftswahlen,
Ingrid Betancourt, außerdem etwa 50 Militärangehörige
und 800 Zivilisten. Kolumbien sei, so die Organisation „Reporter
ohne Grenzen“, für Medienvertreter der gefährlichste
Staat des amerikanischen Kontinentes.
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