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Ruth Streicher Update: Monday, 08. December 2003
Von: Ruth Streicher<ruthstreicher82@web.de>
An: redaktion@politik-digital.de
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Der seit bald 40 Jahren anhaltenden bewaffnete Konflikt in Kolumbien hat schon über 100 Medienmitarbeiter das Leben gekostet. Unter den Opfern finden sich Kameramänner, Radioreporter, Buchautoren. Zuletzt traf es den Journalisten Juan Carlos Benavides, der sich auch bei der Internet-Kampagne CRIS engagiert hatte.

Kolumbien und Medienfreiheit, das ist zunächst eine Ansammlung von Zahlen. In den letzten vierzehn Jahren sind laut „Reporter ohne Grenzen“ 114 Journalisten den bewaffneten Kämpfen zum Opfer gefallen. Allein im Jahr 2002 wurden mehr als 60 Mitarbeiter von Medien aller Art entführt, seit Anfang des Jahres 2003 sind bereits vier Journalisten umgekommen.

Erschreckend wirken die Zahlen erst, wenn sie ein Gesicht bekommen. Das fünfte Opfer dieses Jahres ist Juan Carlos Benavides, angestellt beim lokalen Radiosender „Manantial Estéreo“ der Region Putumayo, im Süden Kolumbiens. Der 25jährige engagierte sich nicht nur journalistisch auf lokaler Ebene, er war auch aktives Mitglied der internationalen CRIS-Kampagne („Communication Rights in the Information Society“).

Todesschützen entkamen unerkannt
Am 22. August 2003 ist Juan Carlos mit einem Kollegen und drei Personen im Auto unterwegs von Puerto Caicedo nach Puerto Asís. Dort hat der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe Vélez für den nächsten Tag seinen Besuch angekündigt. Als sie auf eine illegale Straßenkontrolle der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) stoßen, weigern sie sich stehen zu bleiben. Die Guerillas eröffnen sofort das Feuer auf das Fahrzeug.

Juan Carlos stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus, sein Kollege Jaime Conrado Juajiboy überlebt, schwer verletzt durch eine Schusswunde. Die beiden verantworttlichen Guerilla-Kämpfer können nicht identifiziert werden. Laut einer AP-Meldung vom 2. September, die sich auf Quellen des kolumbianischen Militärs beruft, sollen die beiden mutmaßlichen Täter nun in einem bewaffneten Zusammenstoß zwischen Militärs und FARC umgekommen sein.

Carlos Tod verhindert Kritik von Mitgliedern aus seiner Gemeinde
Die Nichtregierungsorganisation Planeta Paz, der auch Juan Carlos angehörte, koordiniert die CRIS-Aktivitäten für Kolumbien. In einem Presse-Statement, unterschrieben von 70 Angehörigen der Organisation, wird der Tod des aktiven Mitgliedes bedauert: „Das Leben eines beliebten Journalisten wurde ausgelöscht, und mit ihm die Möglichkeit, verschiedene Stimmen aus der Gemeinde zu hören, die von dem Konflikt betroffen ist.“

Kolumbien, das ist auch zuletzt eine Ansammlung von Zahlen. Seit 39 Jahren herrscht Bürgerkrieg, etwa 3500 Menschen, meist Zivilisten, fallen ihm jährlich zum Opfer. Die FARC halten 21 Politiker gefangen, unter ihnen die Ex-Kandidatin für die Präsidentschaftswahlen, Ingrid Betancourt, außerdem etwa 50 Militärangehörige und 800 Zivilisten. Kolumbien sei, so die Organisation „Reporter ohne Grenzen“, für Medienvertreter der gefährlichste Staat des amerikanischen Kontinentes.

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