Neue Schulfächer für's Land
Medienkompetenz in Mecklenburg-Vorpommern
"Mittwoch, 10:45 Uhr irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern.
Auf dem Stundenplan stehen 2 Stunden Medienkompetenz. Die
Schüler und Schülerinnen der 8. Klasse üben
den eigenständigen Umgang mit der Medienlandschaft, die
Neuen Medien eingeschlossen. Auf dem Lehrplan steht neben
HTML auch die Diskussion inhaltlicher Qualitätsunterschieden
einzelner Seiten. An Rechnern und im Medienlabor wenden die
Schüler das Erlernte praktisch an."
Medienkompetenz
Noch ist dieses Szenario Zukunftsmusik. Doch das könnte
sich ändern. Das Fach Medienkompetenz soll ab 2002 im
IT-Ödland Mecklenburg-Vorpommern im Feldversuch an einigen
Schulen "online" gehen. Derzeit arbeiten der Jugendring
Mecklenburg-Vorpommern, der Deutsche Journalisten Verband
und das Bildungsministerium gemeinsam an der Ausgestaltung
des Lehrplans. Unter dem Motto: "eigenständig denken,
eigenständig nutzen, eigenständig filtern"
sollen Schüler und Schülerinnen möglichst schon
ab der 6. Klasse die "vierte Kraft" im Staat von
allen Seiten kennen lernen. Dass dieser Unterricht nicht nur
von Lehrern übernommen werden kann, zeigen die Praxis-Beispiele
aus dem meist hoffnungslos drögen und bestenfalls theoretischen
Informatikangeboten. So planen die Initiatoren des "Medienkompetenz-Unterrichts"
auch die Beteiligung von Experten aus dem IT-Bereich und Journalisten.
Gegenwärtig wird das Projekt mit einer halben Millionen
Mark gefördert. Bei der Bereitstellung von Rechnern bemüht
man sich in Meck-Pom um die Kooperation mit lokalen Firmen
und Händlern.
High-Tech Tafeln?
Das Projekt stößt in der deutschen Bildungslandschaft
auf geteiltes Echo. Es ist unbestritten, dass die deutschen
Schulen ans Netz müssen, so lautet ja auch die Initiative
der Bundesregierung, die sich zum Ziel gesetzt hat, in wenigen
Jahren jede Schule in der BRD mit mindestens einem Internetanschluss
zu versorgen. Klar ist auch, dass es nicht reicht, einfach
nur den Internetzugang zu stellen, der Umgang mit dem Medium
muss auch begleitet werden. Eine Euphorie nach dem Motto:
"Jetzt machen wir alles mit dem tollen neuen Medium",
wie sie der Siegeszug des Fernsehens in den 60er und 70er
Jahren auslöste, soll sich nicht wiederholen. Auch der
Sinn von "High-Tech-Tafeln" ist zweifelhaft. Die
inhaltlich und technisch fundierte Nutzung von Medien wird
aber immer stärker zu einem Faktor in der Wissensgesellschaft.
Nicht nur für die berufliche Zukunft sollten die Schüler
den Computer über die reine Textverarbeitung hinaus bedienen
können, der eloquente Umgang mir dem Internet, eine Informationskompetenz,
wird auch zu einem gesellschaftlichen Faktor. Partizipation
an gesellschaftlichen Prozessen, politische Artikulation und
Demokratiefähigkeit werden immer enger mit den Neuen
Medien verquickt sein. Es geht also nicht nur darum, mit den
Neuen Medien sondern auch über die Neuen Medien zu lernen.
Fachübergreifend
Insofern ist die Initiative der Mecklenburger, die ja
neben technischem Unterricht auch medientheoretische Unterrichtseinheiten
vorsieht, begrüßenswert. Kritiker meinen jedoch,
dass für die Medienkompetenz kein eigenes Schulfach nötig
sei, sondern der kompetente Umgang mit den Neuen Medien Bestandteil
aller Fächer sein müsste. Die Lehrpläne seien
ohnehin schon mit Stoff überfrachtet, und einem Hype-Fach
wie Medienkompetenz sei ein ähnliches Schicksal beschieden,
wie den 70er und 80er-Jahre Mode-Fächern rund um die
Öko-Welle.
Teaching the teachers
Tatsächlich wäre es vorstellbar, in Fächern
wie Deutsch, Englisch aber auch im Biologieunterricht den
Umgang mit Internetrecherche, das Ordnen von Informationen
und die selbstständige Anlage von inhaltlichen Strukturen
zu üben. Die breitenwirksame Integration der Neuen Medien
in den gesamten Schulunterricht dürfte jedoch an der
fehlenden Medienkompetenz des Lehrerkollegiums scheitern,
hierfür müsste das Klassenziel zunächst "teaching
the teachers" heißen.
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