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Medien & Kompetenz
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Carolin Welzel Update: Wednesday, 03. November 2004
Von: Carolin Welzel <carolin.welzel@bertelsmann.de>
An: redaktion@politik-digital.de
URL: http://www.politik-digital.de/carolin

Neue Schulfächer für's Land

Medienkompetenz in Mecklenburg-Vorpommern
"Mittwoch, 10:45 Uhr irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern. Auf dem Stundenplan stehen 2 Stunden Medienkompetenz. Die Schüler und Schülerinnen der 8. Klasse üben den eigenständigen Umgang mit der Medienlandschaft, die Neuen Medien eingeschlossen. Auf dem Lehrplan steht neben HTML auch die Diskussion inhaltlicher Qualitätsunterschieden einzelner Seiten. An Rechnern und im Medienlabor wenden die Schüler das Erlernte praktisch an."

Medienkompetenz
Noch ist dieses Szenario Zukunftsmusik. Doch das könnte sich ändern. Das Fach Medienkompetenz soll ab 2002 im IT-Ödland Mecklenburg-Vorpommern im Feldversuch an einigen Schulen "online" gehen. Derzeit arbeiten der Jugendring Mecklenburg-Vorpommern, der Deutsche Journalisten Verband und das Bildungsministerium gemeinsam an der Ausgestaltung des Lehrplans. Unter dem Motto: "eigenständig denken, eigenständig nutzen, eigenständig filtern" sollen Schüler und Schülerinnen möglichst schon ab der 6. Klasse die "vierte Kraft" im Staat von allen Seiten kennen lernen. Dass dieser Unterricht nicht nur von Lehrern übernommen werden kann, zeigen die Praxis-Beispiele aus dem meist hoffnungslos drögen und bestenfalls theoretischen Informatikangeboten. So planen die Initiatoren des "Medienkompetenz-Unterrichts" auch die Beteiligung von Experten aus dem IT-Bereich und Journalisten. Gegenwärtig wird das Projekt mit einer halben Millionen Mark gefördert. Bei der Bereitstellung von Rechnern bemüht man sich in Meck-Pom um die Kooperation mit lokalen Firmen und Händlern.

High-Tech Tafeln?
Das Projekt stößt in der deutschen Bildungslandschaft auf geteiltes Echo. Es ist unbestritten, dass die deutschen Schulen ans Netz müssen, so lautet ja auch die Initiative der Bundesregierung, die sich zum Ziel gesetzt hat, in wenigen Jahren jede Schule in der BRD mit mindestens einem Internetanschluss zu versorgen. Klar ist auch, dass es nicht reicht, einfach nur den Internetzugang zu stellen, der Umgang mit dem Medium muss auch begleitet werden. Eine Euphorie nach dem Motto: "Jetzt machen wir alles mit dem tollen neuen Medium", wie sie der Siegeszug des Fernsehens in den 60er und 70er Jahren auslöste, soll sich nicht wiederholen. Auch der Sinn von "High-Tech-Tafeln" ist zweifelhaft. Die inhaltlich und technisch fundierte Nutzung von Medien wird aber immer stärker zu einem Faktor in der Wissensgesellschaft. Nicht nur für die berufliche Zukunft sollten die Schüler den Computer über die reine Textverarbeitung hinaus bedienen können, der eloquente Umgang mir dem Internet, eine Informationskompetenz, wird auch zu einem gesellschaftlichen Faktor. Partizipation an gesellschaftlichen Prozessen, politische Artikulation und Demokratiefähigkeit werden immer enger mit den Neuen Medien verquickt sein. Es geht also nicht nur darum, mit den Neuen Medien sondern auch über die Neuen Medien zu lernen.

Fachübergreifend
Insofern ist die Initiative der Mecklenburger, die ja neben technischem Unterricht auch medientheoretische Unterrichtseinheiten vorsieht, begrüßenswert. Kritiker meinen jedoch, dass für die Medienkompetenz kein eigenes Schulfach nötig sei, sondern der kompetente Umgang mit den Neuen Medien Bestandteil aller Fächer sein müsste. Die Lehrpläne seien ohnehin schon mit Stoff überfrachtet, und einem Hype-Fach wie Medienkompetenz sei ein ähnliches Schicksal beschieden, wie den 70er und 80er-Jahre Mode-Fächern rund um die Öko-Welle.

Teaching the teachers
Tatsächlich wäre es vorstellbar, in Fächern wie Deutsch, Englisch aber auch im Biologieunterricht den Umgang mit Internetrecherche, das Ordnen von Informationen und die selbstständige Anlage von inhaltlichen Strukturen zu üben. Die breitenwirksame Integration der Neuen Medien in den gesamten Schulunterricht dürfte jedoch an der fehlenden Medienkompetenz des Lehrerkollegiums scheitern, hierfür müsste das Klassenziel zunächst "teaching the teachers" heißen.

Zuerst erschienen bei politik-digital.de am 10.01.2003
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