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Medien & Kompetenz
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Christoph Dowe Update: Wednesday, 03. November 2004
Von: Christoph Dowe <cdowe@politik-digital.de>
An: redaktion@politik-digital.de
URL: http://www.politik-digital.de/...cdowe

Medien & Kompetenz

Die digitale Spaltung sollte nicht nur als Infrastruktur-Problem gesehen werden, wie es in der Einführung zur Rubrik „Leitungen & Festplatten“ beschrieben ist. Neben der Debatte über „Vorbilder & Inhalte“ muss es vor allem um die Menschen gehen, die die neuen Medien nutzen wollen. Dafür benötigen sie nicht zuletzt „Medien & Kompetenz“: Auch die produktive Nutzung der neuen Medien wird niemandem in die Wiege gelegt, sondern muss erlernt werden.

Nicht nur in den Industrieländern verstauben neu eingerichtete Computerräume in Schulen, weil sich nicht genug Personal findet, das mit dem technischen Gerät umzugehen weiß. Das gleiche Phänomen ist in Schwellenländern zu beobachten. Auch inhaltlich ist auf Medienkompetenz nicht zu verzichten: Gute Informationsquellen müssen von schlechten Quellen unterschieden werden können, um die neuen Medien gewinnbringend einzusetzen. Das Problem ist erkannt: In einigen Bundesländern wurde darüber gestritten, ob ein Schulfach Medienkompetenz eingeführt werden soll.

Dabei geht es um fehlende Kompetenz in den verschiedensten Bereichen. Unter praktischer Medienkompetenz versteht man, dass die Nutzer die technischen Endgeräte bedienen können: An den Einzelnen werden hohe Anforderungen von der Wartung und Installation der Hardware bis zur Handhabung oft komplizierter Software gestellt. Unter theoretischer Medienkompetenz versteht man den kritischen Umgang mit dem Medium selbst: Wann ist es sinnvoll, das Internet oder andere Medien einzusetzen, wann ist es Spielerei? Dazu muss der Einzelne in die Lage versetzt werden, gute von schlechter Information zu unterscheiden, um aus einer riesigen Datenflut auswählen zu können. Unter aktiver Medienkompetenz schließlich versteht man, in der Mediennutzung von der passiven Nutzer-Seite auf die aktive Macher-Seite zu wechseln: Produktion anstatt Konsum. Neben der klassischen Medienarbeit kann dies auch eine Umstrukturierung alter Arbeitsabläufe durch moderne Kommunikationstechnologien bedeuten.

Hinter dem Schlagwort „Lebenslanges Lernen“ verbirgt sich letztendlich nichts anderes als der kontinuierliche Aufbau von Kompetenz, also auch von Medienkompetenz. Die theoretischen Erwägungen werden jedoch bislang in wenigen Ländern exemplarisch in die Praxis umgesetzt. Wer für den Aufbau von Medienkompetenz zuständig ist, ist meist ein ungeklärtes Problem, das auch auf dem UNO-Gipfel zur Informationsgesellschaft (World Summit on the Information Society, 10. bis 12. Dezember 2003 in Genf), aus dessen Anlass diese Internetseite entstand, zu diskutieren sein wird. Staatlichen Bildungsträger wird vorgeworfen, sie reagierten zu langsam und unflexibel auf die neuen Herausforderungen der neuen Informations- und Wissensgesellschaft. Aber auch gegenüber der Wirtschaft, die teilweise gerne beim Aufbau von Medienkompetenz helfen würde, bestehen Vorbehalte: Hier fürchtet man neu entstehende Abhängigkeiten, wenn etwa Lehrer nur im Umgang mit Software eines Monopol-Herstellers geschult werden und nur dieses Wissen an die Schüler weitergeben können.

Dabei ist fehlende Medienkompetenz keine rein theoretische Debatte, sondern zieht bereits heute handfeste konkrete Folgen nach sich. Mit Medienkompetenz finden sich oft günstigere Angebote für Flugreisen, Bücher oder andere handelbare Güter. In weniger entwickelten Ländern können die Effizienzsteigerungen durch neue Medien Wettbewerbsnachteile auf dem Weltmarkt ausgleichen helfen.

Während des UNO-Gipfels zur Informationsgesellschaft wird Gelegenheit sein, die aktuelle Debatte über die Unverzichtbarkeit von „Medien & Kompetenz“ nachzuvollziehen. Nicht zuletzt wird es dabei um die Frage gehen, wer auf welche Weise dafür zuständig ist, Lernende mit der notwendigen Kompetenz auszustatten und zu klären, ob der Blick auf die digitale Spaltung um diesen Punkt erweitert werden muss.

Sie befinden sich auf der ersten Seite der Rubrik "Medien & Kompetenz" im Oberthema "Digitale Spaltung". In unseren Rubriken finden Sie folgende Formate: Expertenstatements; Artikel "Aus der Praxis"; Artikel "Aktuelles"; Links zum Thema und vieles mehr.

Erschienen bei gipfelthemen.de am 01.06.2003
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