Medien
& Kompetenz
Die digitale Spaltung
sollte nicht nur als Infrastruktur-Problem gesehen werden,
wie es in der Einführung zur Rubrik „Leitungen
& Festplatten“ beschrieben ist. Neben der Debatte
über „Vorbilder
& Inhalte“ muss es vor allem um die Menschen
gehen, die die neuen Medien nutzen wollen. Dafür benötigen
sie nicht zuletzt „Medien
& Kompetenz“: Auch die produktive Nutzung der
neuen Medien wird niemandem in die Wiege gelegt, sondern muss
erlernt werden.
Nicht nur in den
Industrieländern verstauben neu eingerichtete Computerräume
in Schulen, weil sich nicht genug Personal findet, das mit
dem technischen Gerät umzugehen weiß. Das gleiche
Phänomen ist in Schwellenländern zu beobachten.
Auch inhaltlich ist auf Medienkompetenz nicht zu verzichten:
Gute Informationsquellen müssen von schlechten Quellen
unterschieden werden können, um die neuen Medien gewinnbringend
einzusetzen. Das Problem ist erkannt: In einigen Bundesländern
wurde darüber gestritten, ob ein Schulfach Medienkompetenz
eingeführt werden soll.
Dabei geht es um
fehlende Kompetenz in den verschiedensten Bereichen. Unter
praktischer Medienkompetenz versteht man, dass die Nutzer
die technischen Endgeräte bedienen können: An den
Einzelnen werden hohe Anforderungen von der Wartung und Installation
der Hardware bis zur Handhabung oft komplizierter Software
gestellt. Unter theoretischer Medienkompetenz versteht man
den kritischen Umgang mit dem Medium selbst: Wann ist es sinnvoll,
das Internet oder andere Medien einzusetzen, wann ist es Spielerei?
Dazu muss der Einzelne in die Lage versetzt werden, gute von
schlechter Information zu unterscheiden, um aus einer riesigen
Datenflut auswählen zu können. Unter aktiver Medienkompetenz
schließlich versteht man, in der Mediennutzung von der
passiven Nutzer-Seite auf die aktive Macher-Seite zu wechseln:
Produktion anstatt Konsum. Neben der klassischen Medienarbeit
kann dies auch eine Umstrukturierung alter Arbeitsabläufe
durch moderne Kommunikationstechnologien bedeuten.
Hinter dem Schlagwort
„Lebenslanges Lernen“ verbirgt sich letztendlich
nichts anderes als der kontinuierliche Aufbau von Kompetenz,
also auch von Medienkompetenz. Die theoretischen Erwägungen
werden jedoch bislang in wenigen Ländern exemplarisch
in die Praxis umgesetzt. Wer für den Aufbau von Medienkompetenz
zuständig ist, ist meist ein ungeklärtes Problem,
das auch auf dem UNO-Gipfel zur Informationsgesellschaft (World
Summit on the Information Society, 10. bis 12. Dezember 2003
in Genf), aus dessen Anlass diese Internetseite entstand,
zu diskutieren sein wird. Staatlichen Bildungsträger
wird vorgeworfen, sie reagierten zu langsam und unflexibel
auf die neuen Herausforderungen der neuen Informations- und
Wissensgesellschaft. Aber auch gegenüber der Wirtschaft,
die teilweise gerne beim Aufbau von Medienkompetenz helfen
würde, bestehen Vorbehalte: Hier fürchtet man neu
entstehende Abhängigkeiten, wenn etwa Lehrer nur im Umgang
mit Software eines Monopol-Herstellers geschult werden und
nur dieses Wissen an die Schüler weitergeben können.
Dabei ist fehlende
Medienkompetenz keine rein theoretische Debatte, sondern zieht
bereits heute handfeste konkrete Folgen nach sich. Mit Medienkompetenz
finden sich oft günstigere Angebote für Flugreisen,
Bücher oder andere handelbare Güter. In weniger
entwickelten Ländern können die Effizienzsteigerungen
durch neue Medien Wettbewerbsnachteile auf dem Weltmarkt ausgleichen
helfen.
Während des
UNO-Gipfels zur Informationsgesellschaft wird Gelegenheit
sein, die aktuelle Debatte über die Unverzichtbarkeit
von „Medien & Kompetenz“ nachzuvollziehen.
Nicht zuletzt wird es dabei um die Frage gehen, wer auf welche
Weise dafür zuständig ist, Lernende mit der notwendigen
Kompetenz auszustatten und zu klären, ob der Blick auf
die digitale Spaltung um diesen Punkt erweitert werden muss.
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& Kompetenz" im Oberthema "Digitale Spaltung".
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