Neues Demoprojekt rollt an: Afrikas Schulen
sollen ans Netz
Nach dem ehrgeizigen Plan einer globalen Partnerschaft zwischen
staatlichen und nichtstaatlichen Trägern soll die digitale
Spaltung durch die Ausstattung der afrikanischen Schulen mit
ICT-Ressourcen wesentlich verringert werden. Insgesamt würden
mindestens 600.000 Schulen von diesem E-schools Projekt profitieren.
Die digitale Spaltung ist ein wesentliches Hindernis für
die Entwicklung in Afrika. Während in den OECD-Ländern
ca. 40% der Bevölkerung das Internet verwenden, sind
es in Afrika nur etwa 1%. Diese Statistik legt einen Teil
der Probleme Afrikas offen. Die 2001 von den afrikanischen
Regierungschefs gegründete Initiative New Partnership
for Africa’s Development (NEPAD)
hat sich Armutsbekämpfung, nachhaltiges Wachstum und
Integration in die Weltwirtschaft zum Ziel gesetzt. Die in
diesem Zusammenhang entstandene NEPAD E-commission,
welche die ICT-Ausbildung und die Verbesserung der entsprechenden
Infrastruktur in Afrika voranbringen soll, hat in Zusammenarbeit
mit nationalen Regierungen und Akteuren aus der Wirtschaft
das NEPAD E-schools Projekt initiiert. Innerhalb von 5 Jahren
soll an allen afrikanischen Highschools und innerhalb von
10 Jahren an allen afrikanischen Grundschulen eine zeitgemäße
Nutzung von ICT ermöglicht werden. Dafür ist die
Bereitstellung der entsprechenden Technik und die Ausbildung
der Nutzer dieser Technik in Unterricht und Verwaltung der
Schulen notwendig. Gerade beginnen die ersten Modellversuche.
Die Auswahl der an den Modellversuchen beteiligten afrikanischen
Länder erfolgte nach einem politischen Kriterium. Die
Demo-Projekte werden zunächst in den 20 Ländern
durchgeführt, die bereits dem Peer Review Mechanism von
NEPAD zugestimmt haben. Im Peer Review Mechanism stellen sich
die Länder einer gegenseitigen, regelmäßigen
und systematischen Überprüfung ihrer Fortschritte
bei der Erreichung von guter Regierungsführung. In den
beteiligten Ländern sollen jeweils 6 repräsentative
Schulen mit Technik und Know How ausgestattet werden. Folgende
16 Länder haben die teilnehmenden Schulen bereits ausgewählt:
Ägypten, Algerien, Burkina Faso, Gabun, Ghana, Kamerun,
Kenia, Lesotho, Mali, Mauritius, Mozambique, Nigeria, Ruanda,
Senegal, Südafrika und Uganda.
Die wichtigsten Akteure bei der Implementierung sind die
E-commission von NEPAD, die nationalen Regierungen, die teilnehmenden
Schulen und ISPAD (Information Society Partnership for Africa’s
Development). ISPAD bringt bisher 13 teilnehmende Unternehmen
mit Regierungsinitiativen und Non-Profit-Organisationen zusammen
und bildet somit das ökonomische „Rückrat“
des Projektes. Die folgenden dieser Unternehmen wollen für
das Demo-Projekt E-schools technische Komplettlösungen
bereitstellen: Hewlett-Packard, Microsoft, Immarsat, Oracle
und Cisco. Die Firmen betreuen jeweils 3 Schulen aus einem
oder mehreren Ländern als ISPAD-Konsortium.
Für die Implementierung der NEPAD E-schools werden
folgende Strukturen geschaffen:
- Das E-schools Büro in der E-Africa Commission stellt
die Basis für Koordination und Implementierung des
Projektes dar.
- Das NEPAD E-schools Koordinations-Gremium, bestehend
aus nominierten Regierungsvertretern der Länder, beschließt
die Strategien und Rahmenbedingungen für die internationale
Koordination des Projektes.
- Ein nationales NEPAD E-schools Implementierungsteam ist
für die inländische Planung, das Monitoring und
Evaluationsaktivitäten zuständig. Jedes teilnehmende
Land hat eine Person aus dem Team als Bezugsperson für
das Management des Projektes bestimmt.
- Jedes IPSAD-Konsortium legt einen Ansprechpartner und
ICT-Koordinator für die Hilfestellung bei der Umsetzung
des Projektes fest.
- Jede teilnehmende Schule wird einen ICT-Koordinator ernennen,
der für die Umsetzung des Projektes, aber auch für
die langfristige und angemessene Verwendung der ICT zuständig
ist.
Da die Erfahrungen aus dem Demo-Projekt als wesentlich für
das Anrollen des Projektes auf dem gesamten afrikanischen
Kontinent gesehen werden, beinhaltet das Programm wichtige
Monitoring- und Evaluationskomponenten. Quantitative und qualitative
Daten werden mit Hilfe von Fragebögen, Fokusgruppen,
Projektberichten, Interviews, Lehrermitschriften sowie durch
die Beteiligung von Regierungsstellen, Schuldirektoren, Lehrern,
Schülern und der Projektteams erhoben. Es wird sowohl
die Erreichung der gesetzten Ziele als auch die Effektivität
bei der Implementierung bewertet.
Das Demo-Projekt E-schools sollte im Juni 2005 in den ersten
Schulen und bis Oktober 2005 in allen teilnehmenden Schulen
implementiert sein. Dies wurde zumindest noch im April 2005
auf dem Treffen der NEPAD-Regierungschefs in Sharm El Sheikh,
Ägypten, beschlossen. Verzögerungen bahnen sich
jedoch an. Die Bugulumbya secondary school in Uganda wird
nun im Juli 2005 als erste zu einer E-school umgewandelt.
In den E-schools soll den Schülern die Benutzung der
ICT vermittelt und die Verwaltung durch die Verwendung von
ICT verbessert werden. Darüber hinaus sind e-health points
geplant, an denen den Nutzern elektronisch Informationen für
die Gesundheitsvorsorge zugänglich gemacht werden.
Es bleibt abzuwarten, ob die weiteren Terminvorgaben –
insbesondere jedoch die technischen Zusagen – eingehalten
werden und ob die entsprechenden Fortbildungen für das
Personal tatsächlich erfolgen. Die Schüler an den
afrikanischen Schulen haben jedenfalls keine Zeit zum Warten.
Und für die Zukunft der afrikanischen Wirtschaft ist
die baldige Überwindung der digitalen Spaltung ebenfalls
von enormer Bedeutung.
Die für das NEPAD E-schools Projekt entstandene globale
Partnerschaft der verschiedensten Akteure unter Einbeziehung
der Wirtschaft könnte – eine ordentliche Durchführung
seitens aller Partner vorausgesetzt – ein Modell darstellen
für die Erreichung der Ziele des Plan of Action des World
Summit on the Information Society und der Millenium Development
Goals (MDGs).
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