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Hahn  Update: Wednesday, 20. July 2005
Von: Mattis Hahn <mattis_hahn@yahoo.de>
An: redaktion@politik-digital.de
URL: chewingcoffee.de

Neues Demoprojekt rollt an: Afrikas Schulen sollen ans Netz

Nach dem ehrgeizigen Plan einer globalen Partnerschaft zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Trägern soll die digitale Spaltung durch die Ausstattung der afrikanischen Schulen mit ICT-Ressourcen wesentlich verringert werden. Insgesamt würden mindestens 600.000 Schulen von diesem E-schools Projekt profitieren.

Die digitale Spaltung ist ein wesentliches Hindernis für die Entwicklung in Afrika. Während in den OECD-Ländern ca. 40% der Bevölkerung das Internet verwenden, sind es in Afrika nur etwa 1%. Diese Statistik legt einen Teil der Probleme Afrikas offen. Die 2001 von den afrikanischen Regierungschefs gegründete Initiative New Partnership for Africa’s Development (NEPAD) hat sich Armutsbekämpfung, nachhaltiges Wachstum und Integration in die Weltwirtschaft zum Ziel gesetzt. Die in diesem Zusammenhang entstandene NEPAD E-commission, welche die ICT-Ausbildung und die Verbesserung der entsprechenden Infrastruktur in Afrika voranbringen soll, hat in Zusammenarbeit mit nationalen Regierungen und Akteuren aus der Wirtschaft das NEPAD E-schools Projekt initiiert. Innerhalb von 5 Jahren soll an allen afrikanischen Highschools und innerhalb von 10 Jahren an allen afrikanischen Grundschulen eine zeitgemäße Nutzung von ICT ermöglicht werden. Dafür ist die Bereitstellung der entsprechenden Technik und die Ausbildung der Nutzer dieser Technik in Unterricht und Verwaltung der Schulen notwendig. Gerade beginnen die ersten Modellversuche.

Die Auswahl der an den Modellversuchen beteiligten afrikanischen Länder erfolgte nach einem politischen Kriterium. Die Demo-Projekte werden zunächst in den 20 Ländern durchgeführt, die bereits dem Peer Review Mechanism von NEPAD zugestimmt haben. Im Peer Review Mechanism stellen sich die Länder einer gegenseitigen, regelmäßigen und systematischen Überprüfung ihrer Fortschritte bei der Erreichung von guter Regierungsführung. In den beteiligten Ländern sollen jeweils 6 repräsentative Schulen mit Technik und Know How ausgestattet werden. Folgende 16 Länder haben die teilnehmenden Schulen bereits ausgewählt: Ägypten, Algerien, Burkina Faso, Gabun, Ghana, Kamerun, Kenia, Lesotho, Mali, Mauritius, Mozambique, Nigeria, Ruanda, Senegal, Südafrika und Uganda.

Die wichtigsten Akteure bei der Implementierung sind die E-commission von NEPAD, die nationalen Regierungen, die teilnehmenden Schulen und ISPAD (Information Society Partnership for Africa’s Development). ISPAD bringt bisher 13 teilnehmende Unternehmen mit Regierungsinitiativen und Non-Profit-Organisationen zusammen und bildet somit das ökonomische „Rückrat“ des Projektes. Die folgenden dieser Unternehmen wollen für das Demo-Projekt E-schools technische Komplettlösungen bereitstellen: Hewlett-Packard, Microsoft, Immarsat, Oracle und Cisco. Die Firmen betreuen jeweils 3 Schulen aus einem oder mehreren Ländern als ISPAD-Konsortium.

Für die Implementierung der NEPAD E-schools werden folgende Strukturen geschaffen:

  • Das E-schools Büro in der E-Africa Commission stellt die Basis für Koordination und Implementierung des Projektes dar.
  • Das NEPAD E-schools Koordinations-Gremium, bestehend aus nominierten Regierungsvertretern der Länder, beschließt die Strategien und Rahmenbedingungen für die internationale Koordination des Projektes.
  • Ein nationales NEPAD E-schools Implementierungsteam ist für die inländische Planung, das Monitoring und Evaluationsaktivitäten zuständig. Jedes teilnehmende Land hat eine Person aus dem Team als Bezugsperson für das Management des Projektes bestimmt.
  • Jedes IPSAD-Konsortium legt einen Ansprechpartner und ICT-Koordinator für die Hilfestellung bei der Umsetzung des Projektes fest.
  • Jede teilnehmende Schule wird einen ICT-Koordinator ernennen, der für die Umsetzung des Projektes, aber auch für die langfristige und angemessene Verwendung der ICT zuständig ist.

Da die Erfahrungen aus dem Demo-Projekt als wesentlich für das Anrollen des Projektes auf dem gesamten afrikanischen Kontinent gesehen werden, beinhaltet das Programm wichtige Monitoring- und Evaluationskomponenten. Quantitative und qualitative Daten werden mit Hilfe von Fragebögen, Fokusgruppen, Projektberichten, Interviews, Lehrermitschriften sowie durch die Beteiligung von Regierungsstellen, Schuldirektoren, Lehrern, Schülern und der Projektteams erhoben. Es wird sowohl die Erreichung der gesetzten Ziele als auch die Effektivität bei der Implementierung bewertet.

Das Demo-Projekt E-schools sollte im Juni 2005 in den ersten Schulen und bis Oktober 2005 in allen teilnehmenden Schulen implementiert sein. Dies wurde zumindest noch im April 2005 auf dem Treffen der NEPAD-Regierungschefs in Sharm El Sheikh, Ägypten, beschlossen. Verzögerungen bahnen sich jedoch an. Die Bugulumbya secondary school in Uganda wird nun im Juli 2005 als erste zu einer E-school umgewandelt. In den E-schools soll den Schülern die Benutzung der ICT vermittelt und die Verwaltung durch die Verwendung von ICT verbessert werden. Darüber hinaus sind e-health points geplant, an denen den Nutzern elektronisch Informationen für die Gesundheitsvorsorge zugänglich gemacht werden.

Es bleibt abzuwarten, ob die weiteren Terminvorgaben – insbesondere jedoch die technischen Zusagen – eingehalten werden und ob die entsprechenden Fortbildungen für das Personal tatsächlich erfolgen. Die Schüler an den afrikanischen Schulen haben jedenfalls keine Zeit zum Warten. Und für die Zukunft der afrikanischen Wirtschaft ist die baldige Überwindung der digitalen Spaltung ebenfalls von enormer Bedeutung.

Die für das NEPAD E-schools Projekt entstandene globale Partnerschaft der verschiedensten Akteure unter Einbeziehung der Wirtschaft könnte – eine ordentliche Durchführung seitens aller Partner vorausgesetzt – ein Modell darstellen für die Erreichung der Ziele des Plan of Action des World Summit on the Information Society und der Millenium Development Goals (MDGs).

Erschienen bei gipfelthemen.de am 21.07.2005
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