'Content'
ist der Schüler König
Medienkompetenz
als eigenes Schulfach? Nö, lieber 'learning by doing',
sagen sich die Schüler eines Kölner Gymnasiums.
Und erstellen teils im Unterricht, teils in ihrer Freizeit
wegweisende Inhaltsangebote für das Internet. Dabei machen
sie sich eine der Erfolgsformeln des Internet zueigen: 'Content
is the king'.
Genau ein Jahr
ist es her, dass das Redaktionsteam von eunity
hohen Besuch bekam. Im Pressezelt des Kölner EU-Gipfels
setzte sich ein bestens gelaunter deutscher Außenminister
vor den Redaktionsrechner, ließ sich von Abiturient
Micky Peters das Projekt erklären und schrieb spontan
eine Sondermeldung für das Schülernetzwerk im Internet:
'Kosovo - Durchbruch zum Frieden geschafft?'. Kurz zuvor war
Joschka Fischer aus Belgrad benachrichtigt worden, dass Milosevic
endlich eingelenkt hatte.
Nun haben die bis
zu 40 Schüler des Gymnasiums Kreuzgasse in Köln,
die bei eunity mitmachen, ein ereignis- wie lehrreiches Jahr
hinter sich. Für die aktivsten Schüler, die oft
zehn Stunden ihrer Freizeit pro Woche für das Online-Projekt
abknapsen, ist es ein veritables (erstes) Lehrjahr geworden,
das sie in mehreren Bereichen der Berufswelt näher gebracht
hat:
- journalistisches Arbeiten
- politische Bildung
- Umgang mit den
Neuen Medien
- europäische
Kommunikation
- und last but
not least Projektmanagement.
Heraus gekommen
ist eine Website, die in ihrer Anmutung der von 'Spiegel online'
kaum nachsteht und die auf vielschichtige Weise darauf abzielt,
die europaweite Kommunikation von jungen Menschen zu fördern.
Dabei sind politische Themen wie der EU-Gipfel oder die Osterweiterung
nach wie vor zentrale Themen, aber daneben schreiben die Schüler
auch über die besten Wirtschaftsunis oder Regeländerungen
in der Formel 1.
Bildungs-Buddhismus:
Der Weg ist das Ziel
Der im Namen 'eunity'
anklingende Anspruch, europaweit Schüler über das
Netz zu verbinden, kommt in der dreisprachigen Ausrichtung
von eunity klar zum Ausdruck. Allerdings zeigt sich bei genauer
Betrachtung, dass man in den Englisch- bzw. Französisch-Bereichen
über gut gemeinte Ansätze noch nicht hinaus gekommen
ist. Auch im deutschsprachigen Kernbereich wird deutlich,
dass die vom Team selbst hoch gesteckten Ansprüche in
mancher Hinsicht noch lange nicht erreicht sind.
Doch darauf kommt
es eigentlich auch nicht so an: 'Learning by doing', lautet
die Devise. Selbst wenn nicht alles so glatt läuft, wie
es im ersten Elan möglich schien, gibt es immer wieder
Erfolgserlebnisse und ist der Lerneffekt beträchtlich.
Für Justus
Meyer (19), erst seit kurzem im Team, liegt auf der Hand,
dass sich der Einsatz lohnt: "Nicht nur das Arbeiten
in der Redaktion, sondern auch unsere Beteiligung auf Veranstaltungen,
wie jetzt der Ausbildungsmesse "generation m", bezieht
uns immer stärker in die Berufswelt ein." Auf der
"generation m" in der KölnMesse richtet eunity
einen Schreibwettbewerb für junge Journalisten aus. "Alle
prämierten Artikel werden in einem Extra-Forum veröffentlicht
und als Hauptpreise gibt es Praktika in der Redaktion von
RTL-Online und beim Kölner Stadt-Anzeiger", erklärt
Jusuts Meyer.
Seit kurzem hat
eunity 'Korrespondenten' in verschiedenen europäischen
Großstädten, die z.B. als Austauschschüler
unmittelbar von ihren Erfahrungen erzählen können.
Und über eines ist man bei eunity dabei besonders: Die
Korrespondenten in Wien und Berlin haben mit der Schule gar
nichts zu tun gehabt, sondern haben eunity im Internet gefunden
und sich online zur Zusammenarbeit angeboten.
Noch in einem zweiten
Bereich geht das Gymnasium Kreuzgasse neue Wege. Schülerzeitung
online oder der www-Auftritt der Schule - das sind Übungen,
die deutschlandweit immer selbstverständlicher werden.
Der Lerneffekt für die Macher ist auch hier von hohem
Wert. Aber was dem - und auch noch eunity - fehlt, ist die
Einbeziehung einer ganzen Klasse bzw. eines gesamten Kurses.
Medienkompetenz
für die ganze Klasse
Im Rahmen des InfoSCHUL-Projektes
konnte auch das ausführlich getestet werden, und Helmut
Cremer, Lehrer am Gymnasium Kreuzgasse für das Projekt
verantwortlich, zieht zufrieden eine erste Bilanz:
"Fünf
Kurse der Oberstufe haben zum Thema 'Strukturwandel' Lösungen
entwickelt, das Medium Internet im Unterricht sinnvoll einzusetzen.
Unser Beispielobjekt, der alte Industriestandort Köln-Kalk,
wurde dabei aus Sicht der Sozialwissenschaften, der Biologie
und der Erdkunde betrachtet. Dass in manchen Kursen schon
die Hälfte der Schüler privat online ist, kommt
dem Arbeitsergebnis natürlich zugute. Aber wichtig ist,
dass die durch die gemeinsame Arbeit im Unterricht auch wissen,
wonach sie im Netz suchen sollen."
InfoSCHUL, die
nationale Fördermaßnahme mit dem Langtitel "Nutzung
elektronischer und multimedialer Informationsquellen in Schulen"
läuft seit 1997 im Rahmen der Initiative "Schulen
ans Netz". Die geförderten Projekte - in der letzten
Phase waren es 223 - sollen zeigen, wie elektronische und
multimediale Quellen im Unterricht und beim selbständigen
Arbeiten im Kontext mit gedruckten Lernmaterialien sinnvoll
eingesetzt werden können. Zum neuen Schuljahr wird InfoSCHUL
II anlaufen, bei dem noch mehr Schulen beteiligt und gefördert
werden sollen; auch die Kreuzgasse hofft wieder dabei sein:
Ihr neuer Projektvorschlag zielt auf ein Angebot zur Berufsorientierung
für Schüler, das in Kooperation mit der lokalen
Wirtschaft entstehen soll.
Kreativität
und Eigeninitative
Eine Menge kreative
und wissbegierige Schüler sind also vorhanden, die Ausstattung
der Schule im Kölner Grüngürtel mit Computern
ist zwar verbesserungswürdig (die meisten der 20 Rechner
sind 486er) aber einigermaßen zufrieden stellend. Dass
es Aussicht auf neue HArdware gibt, hängt eng mit der
Umtriebigkeit der Verantwortlichen zusammen, Fördergelder
locker zu machen - und das, so Cremer, gehe mit guten Inhaltsangeboten
eben am besten.
Doch wie sieht
es mit dem Engpassfaktor Lehrer aus? Die Faustregel besagt:
10 Prozent der Lehrer treiben das Thema Internet&Co. nach
vorn, die Bedenkenträger dagegen machen 30 Prozent aus,
und die 60 Prozent dazwischen freuen sich und sagen 'Macht
Ihr mal...'. Das sei an seiner Schule eigentlich auch nicht
anders, meint Cremer, aber im Vergleich zu vor fünf Jahren
habe die Akzeptanz deutlich zugenommen.
Jetzt wird auch eine Kunstlehrerin aktiv:
In einem Gemeinschaftsprojekt von Schulen, Verbänden
und Museen bietet sie den Schülern ein Projekt an, das
multimedial ablaufen und in einer 'echten' Ausstellung gipfeln
soll. Das Motto des Kunstprojekts 'Design your Life' verweist
noch einmal die beiden Dinge, die einen schon zu Schulzeiten
zukunftsfähig machen: Kreativität und Eigeninitiative.
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