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Annelie-M. Beer Datum:Wednesday, 03. November 2004
Von: Annelie-M. Beer
An: redaktion@politik-digital.de
URL: keine

Manipulation der Medien versus Ausgewogenheit der Berichterstattung

Wie auf dem Kongress „Strukturwandel der Öffentlichkeit 2.0“ zwei kontroverse Ansichten bezüglich der Medien und deren Einfluss auf die Gesellschaft aufeinanderprallen hätten können und dann doch nichts geschah.

Auf dem Berliner Kongress „Strukturwandel der Öffentlichkeit 2.0“ , veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung zusammen mit dem Adolf Grimme Institut, hätten am 1. Dezember zwei Positionen aufeinanderprallen können. Eleanor Benador, Geschäftsführerin und Gründerin von Benador Associates, hielt einen Vortrag über Medien und Demokratie. Ihr Hauptanliegen ist, Experten so in den Medien zu platzieren, dass ihre Argumentationen eine breite Öffentlichkeit erreichen und auf diesem Weg die öffentliche Meinung nachhaltig beeinflussen können. Am darauffolgenden Tag äußerte sich Danny Schechter, Chefredakteur von www.mediachannel.org, zum Mediamix in Wahlkämpfen. Er ist wiederum an einer Beobachtung und externen Kontrolle der Medien interessiert und hält die einseitige Themenauswahl durch Medien und damit Verzerrung der Themenagenda für gefährlich.

Meinungsagentin im politischen Diskurs
Eleanor Benador gründete im Jahr 2001 die PR-Agentur Benador Associates (BA), die die einflussreichsten Bush-treuen Intellektuellen und neokonservativen Kriegsbefürworter aus dem amerikanischen, islamischen und arabischen Raum vertritt. „Das Ziel ist, ihre Stimmen in die Massenmedien zu bringen. Nicht um die liberalen Ansichten zu ersetzen, aber um sie genauso sichtbar zu machen wie die liberalen Argumentationen.“ sagte Benador im Anschluss ihrer Rede. Diese Auseinandersetzung sei in der heutigen Gesellschaft wichtiger als jegliche militärische Auseinandersetzung. Als kommunikative Möglichkeit stelle die Auseinandersetzung den Gegensatz zu Meinungskonformität dar, die in der politischen Debatte seit dem Ende des Kalten Krieges vorherrsche. Als Gegenstück zur „Polite Society“ („Höfliche Gesellschaft“), die von politisch korrektem Handeln geprägt sei, wollen die Mitglieder von BA die Dinge jetzt sagen, wie sie sind und Kritik üben, wo sie angebracht ist. Besonders nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 sei es jedoch wichtig, das eigentliche Ziel der Auseinandersetzung nicht aus den Augen zu verlieren, „den gemeinsamen Feind, den wir alle haben – den Extremisten“, erklärte Benador. Dafür sei es notwendig, die gewünschte Information durch die Aussagen einer akzeptierten Quelle über das bestmögliche Medium in die Öffentlichkeit zu transportieren. So soll im klassischen Sinne von Public Relations zum einen die Bevölkerung informiert, zum anderen aber auch die öffentliche Meinung geformt und beeinflusst werden.

Den Einfluss ihrer eigenen Person auf diese politische Debatte beschreibt Frau Benador wie folgt: „Ich bin keine gewöhnliche PR-Agentin. Ich habe meine eigene Meinung. Nach zwei Jahren scheint meine Arbeit sehr erfolgreich zu sein. Aber ich denke, es gibt noch einen langen Weg zu gehen.“ Die Neo-Konservativen Ansichten seien immer noch nicht so sichtbar wie die der Liberalen. Dennoch hebt Frau Benador hervor, sie sei nicht einseitig orientiert. Im Gegenteil: „Ich würde niemals Probleme machen, wenn ein Liberaler einen Kurs betritt, der richtig ist. Dann würde ich mich für ihn einsetzen“, sagte sie. Das eigentliche Thema ihres Vortrages „Medien und Demokratie“ fand in ihrer Rede jedoch kaum Platz. Stattdessen versuchte sie das Handeln der US-Regierung im Irak und Afghanistan zu rechtfertigen.

Eleanor Benador in der Kritik
Hätte Danny Schechter direkt nach dem Referat von Frau Benador die Möglichkeit gehabt, hätte er sie nach ihrer eigentlichen Funktion gefragt. Welchen Einfluss sie auf die Medienberichterstattung in Vorbereitung auf den Irakkrieg hatte und wer ihre Arbeit finanzierte. „Sie hat zusammen mit vielen anderen die Debatte im Vorfeld des Krieges in den Medien geprägt, aber sie hat nicht darüber gesprochen. Stattdessen war sie in der Lage, das Publikum über ihre eigene Person zu verwirren und eine politische Diskussion zu führen. Das Publikum hat nicht realisiert, was sie machte, und hat sie dadurch nicht entsprechend ihrer Position befragt“, kritisierte Schechter. Benador Associates seien dabei eine Speiche in einem Rad gewesen, das die Propaganda der Regierung transportierte.

Schechter betrachtet die Medien aus einer kritischen Perspektive. Die Meinungen des Einzelnen würden durch die Medien stark beeinflusst. In den USA würden die Medien zumeist als vierte Gewalt oder watchdog betrachtet, der kritische Beobachter der anderen Staatsgewalten. Schechter fragt jedoch, was passiere, wenn die Medien sich vom watchdog zu einem lapdog (Schosshündchen) entwickeln, wenn Journalisten und Politiker die Positionen vertauschten. In den USA sei derzeit genau dieses zu betrachten, eine vergleichbare Entwicklung in Deutschland hält er für möglich. Zunehmend fusionierten Politik und Journalismus. Eine Steigerung fände der Prozess in der Vermischung von Nachrichtenjournalismus und Unterhaltung. Des Weiteren unterstellten sich die Medien einer Selbstzensur. Vor dem Krieg im Irak begannen die Medien um die Gunst der Regierung zu werben. Es gäbe kein Dokument, in dem dies festgeschrieben sei, aber die Vereinbarung: „The government wave the rules and the media wave the flagg.“ Diese hätte in der Berichtererstattung zum Irakkrieg bereits Nachhall gefunden, indem 97 Prozent der Berichterstattung für den Irakkrieg argumentierte und nur 3 Prozent gegenteilige Argumentationen thematisierten.

“As the media watch the world, we watch the media”
Mit dieser Aussage formuliert www.mediachannel.org seine Mission. Mediachannel.org ist eine non-profit Organision, mit Hauptsitz in New York City, deren Arbeit sich mit Medienthemen beschäftigt. Das global orientierte Netzwerk, bestehend aus derzeit 1068 Organisationen, befasst sich mit dem politischen, kulturellen und sozialen Einfluss der Medien. Dabei will mediachannel.org zunächst informieren und Diskussionen anregen. „Wir sind nicht in der Lage mit den Medien in Wettstreit zu treten, aber wir können eine fehlende Berichterstattung aufzeigen und dazu anregen. Menschen in den Medien halten sich für sehr schlau, dabei sind sie ebenfalls in ihren täglichen Arbeitsabläufen gefangen“, sagte Schechter auf dem Kongress.

Erschienen bei gipfelthemen.de am 10.12.2003

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