Manipulation der Medien versus Ausgewogenheit
der Berichterstattung
Wie auf dem Kongress „Strukturwandel der Öffentlichkeit
2.0“ zwei kontroverse Ansichten bezüglich der Medien
und deren Einfluss auf die Gesellschaft aufeinanderprallen
hätten können und dann doch nichts geschah.
Auf dem Berliner Kongress „Strukturwandel der Öffentlichkeit
2.0“ , veranstaltet von der Bundeszentrale für
politische Bildung zusammen mit dem Adolf Grimme Institut,
hätten am 1. Dezember zwei Positionen aufeinanderprallen
können. Eleanor Benador, Geschäftsführerin
und Gründerin von Benador
Associates, hielt einen Vortrag über Medien und Demokratie.
Ihr Hauptanliegen ist, Experten so in den Medien zu platzieren,
dass ihre Argumentationen eine breite Öffentlichkeit
erreichen und auf diesem Weg die öffentliche Meinung
nachhaltig beeinflussen können. Am darauffolgenden Tag
äußerte sich Danny Schechter, Chefredakteur von
www.mediachannel.org,
zum Mediamix in Wahlkämpfen. Er ist wiederum an einer
Beobachtung und externen Kontrolle der Medien interessiert
und hält die einseitige Themenauswahl durch Medien und
damit Verzerrung der Themenagenda für gefährlich.
Meinungsagentin im politischen Diskurs
Eleanor Benador gründete im Jahr 2001 die PR-Agentur
Benador Associates (BA), die die einflussreichsten Bush-treuen
Intellektuellen und neokonservativen Kriegsbefürworter
aus dem amerikanischen, islamischen und arabischen Raum vertritt.
„Das Ziel ist, ihre Stimmen in die Massenmedien zu bringen.
Nicht um die liberalen Ansichten zu ersetzen, aber um sie
genauso sichtbar zu machen wie die liberalen Argumentationen.“
sagte Benador im Anschluss ihrer Rede. Diese Auseinandersetzung
sei in der heutigen Gesellschaft wichtiger als jegliche militärische
Auseinandersetzung. Als kommunikative Möglichkeit stelle
die Auseinandersetzung den Gegensatz zu Meinungskonformität
dar, die in der politischen Debatte seit dem Ende des Kalten
Krieges vorherrsche. Als Gegenstück zur „Polite
Society“ („Höfliche Gesellschaft“),
die von politisch korrektem Handeln geprägt sei, wollen
die Mitglieder von BA die Dinge jetzt sagen, wie sie sind
und Kritik üben, wo sie angebracht ist. Besonders nach
den Anschlägen des 11. Septembers 2001 sei es jedoch
wichtig, das eigentliche Ziel der Auseinandersetzung nicht
aus den Augen zu verlieren, „den gemeinsamen Feind,
den wir alle haben – den Extremisten“, erklärte
Benador. Dafür sei es notwendig, die gewünschte
Information durch die Aussagen einer akzeptierten Quelle über
das bestmögliche Medium in die Öffentlichkeit zu
transportieren. So soll im klassischen Sinne von Public Relations
zum einen die Bevölkerung informiert, zum anderen aber
auch die öffentliche Meinung geformt und beeinflusst
werden.
Den Einfluss ihrer eigenen Person auf diese politische Debatte
beschreibt Frau Benador wie folgt: „Ich bin keine gewöhnliche
PR-Agentin. Ich habe meine eigene Meinung. Nach zwei Jahren
scheint meine Arbeit sehr erfolgreich zu sein. Aber ich denke,
es gibt noch einen langen Weg zu gehen.“ Die Neo-Konservativen
Ansichten seien immer noch nicht so sichtbar wie die der Liberalen.
Dennoch hebt Frau Benador hervor, sie sei nicht einseitig
orientiert. Im Gegenteil: „Ich würde niemals Probleme
machen, wenn ein Liberaler einen Kurs betritt, der richtig
ist. Dann würde ich mich für ihn einsetzen“,
sagte sie. Das eigentliche Thema ihres Vortrages „Medien
und Demokratie“ fand in ihrer Rede jedoch kaum Platz.
Stattdessen versuchte sie das Handeln der US-Regierung im
Irak und Afghanistan zu rechtfertigen.
Eleanor Benador in der Kritik
Hätte Danny Schechter direkt nach dem Referat von Frau
Benador die Möglichkeit gehabt, hätte er sie nach
ihrer eigentlichen Funktion gefragt. Welchen Einfluss sie
auf die Medienberichterstattung in Vorbereitung auf den Irakkrieg
hatte und wer ihre Arbeit finanzierte. „Sie hat zusammen
mit vielen anderen die Debatte im Vorfeld des Krieges in den
Medien geprägt, aber sie hat nicht darüber gesprochen.
Stattdessen war sie in der Lage, das Publikum über ihre
eigene Person zu verwirren und eine politische Diskussion
zu führen. Das Publikum hat nicht realisiert, was sie
machte, und hat sie dadurch nicht entsprechend ihrer Position
befragt“, kritisierte Schechter. Benador Associates
seien dabei eine Speiche in einem Rad gewesen, das die Propaganda
der Regierung transportierte.
Schechter betrachtet die Medien aus einer kritischen Perspektive.
Die Meinungen des Einzelnen würden durch die Medien stark
beeinflusst. In den USA würden die Medien zumeist als
vierte Gewalt oder watchdog betrachtet, der kritische Beobachter
der anderen Staatsgewalten. Schechter fragt jedoch, was passiere,
wenn die Medien sich vom watchdog zu einem lapdog (Schosshündchen)
entwickeln, wenn Journalisten und Politiker die Positionen
vertauschten. In den USA sei derzeit genau dieses zu betrachten,
eine vergleichbare Entwicklung in Deutschland hält er
für möglich. Zunehmend fusionierten Politik und
Journalismus. Eine Steigerung fände der Prozess in der
Vermischung von Nachrichtenjournalismus und Unterhaltung.
Des Weiteren unterstellten sich die Medien einer Selbstzensur.
Vor dem Krieg im Irak begannen die Medien um die Gunst der
Regierung zu werben. Es gäbe kein Dokument, in dem dies
festgeschrieben sei, aber die Vereinbarung: „The government
wave the rules and the media wave the flagg.“ Diese
hätte in der Berichtererstattung zum Irakkrieg bereits
Nachhall gefunden, indem 97 Prozent der Berichterstattung
für den Irakkrieg argumentierte und nur 3 Prozent gegenteilige
Argumentationen thematisierten.
“As the media watch the world, we watch the
media”
Mit dieser Aussage formuliert www.mediachannel.org seine Mission.
Mediachannel.org ist eine non-profit Organision, mit Hauptsitz
in New York City, deren Arbeit sich mit Medienthemen beschäftigt.
Das global orientierte Netzwerk, bestehend aus derzeit 1068
Organisationen, befasst sich mit dem politischen, kulturellen
und sozialen Einfluss der Medien. Dabei will mediachannel.org
zunächst informieren und Diskussionen anregen. „Wir
sind nicht in der Lage mit den Medien in Wettstreit zu treten,
aber wir können eine fehlende Berichterstattung aufzeigen
und dazu anregen. Menschen in den Medien halten sich für
sehr schlau, dabei sind sie ebenfalls in ihren täglichen
Arbeitsabläufen gefangen“, sagte Schechter auf
dem Kongress.
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