Leitungen
& Festplatten
Wer von „digitaler
Spaltung“ redet, denkt in erster Linie an fehlende Computer
oder fehlende technische Infrastruktur wie Telefonkabel, breitbandige
Zugänge oder Elektrizität. Genau darum soll es in
dieser Rubrik „Leitungen
& Festplatten“ gehen. Dass die „digitale
Spaltung“ aber auch noch in ganz anderen Bereichen stattfindet,
wird in den Rubriken „Medien
& Kompetenz“ und „Inhalte
& Vorbilder“ behandelt.
Tatsächlich
werden in der globalen Informations- und Wissensgeselchaft
nicht allen Menschen die gleichen Startbedingungen geboten.
Oft entscheidet schon der Zugang zu einem Computer oder einem
Telefonnetz, ob man zu den Gewinnern oder Verlierern der Informations-
und Wissensgesellschaft gehört. In Gebieten, in denen
noch nicht einmal die kontinuierliche Versorgung mit Elektrizität
gesichert ist, stellt sich die Frage meist erst gar nicht.
Das Problem des Zugangs zu Informationen und Wissen wird dabei
also schnell zu einem Problem der technischen Infrastruktur
von „Leitungen & Festplatten“. Die Weltbank
ging im Herbst 2002 davon aus, dass rund 600 Millionen Menschen
einen Zugang zum Internet haben. 90 Prozent dieser Anschlüsse
lagen in den Industrienationen.
Aber auch in der
westlichen Welt wird die digitale Spaltung vor allem als Mangel
an „Leitungen & Festplatten“ interpretiert:
Programme werden aufgesetzt, um mit gebrauchten Firmenrechnern
alle deutschen Schulen auszustatten; Telekommunikationsunternehmen
investieren sehr hohe Summen, um Zukunftsmärkte im UMTS-Bereich
zu sichern oder einen Bedarf nach breitbandigen Internetanbindungen
entstehen zu lassen; diskutiert wird, ob in öffentlichen
Gebäuden oder Bibliotheken Computernutzung für Jedermann
möglich gemacht werden soll. Die Erschließung neuer
Kunden und Märkte wird dabei schnell als rein technisches
Problem interpretiert. Für Senioren ist die Schrift auf
dem Handy zu klein? Dann müssen Senioren-Handys mit dreifach
großem Bildschirm her.
Vor allem die Wissenschaft
hat inzwischen ein ganzheitlicheres Bild von der digitalen
Spaltung entwickelt und sieht nicht mehr alle Probleme durch
eine bessere technische Infrastruktur gelöst. Bestimmte
Wirtschaftsbranchen drängen hingegen darauf, der Frage
der technischen Infrastruktur, also der „Leitungen &
Festplatten“, auf dem UNO-Gipfel zur Informationsgesellschaft
(10. bis 12. Dezember 2003 in Genf) höchste Priorität
einzuräumen. Vertreter der Zivilgesellschaft haben den
Organisatoren des UNO-Gipfels zur Informationsgesellschaft
(„World Summit on the Information Society“/WSIS),
aus dessen Anlass diese Internetseite entstand, im Vorfeld
vorgeworfen, zu einseitig auf das Thema „Leitungen &
Festplatten“ zu schauen und damit vorrangig den Interessen
der Wirtschaft genüge zu tun. Die zentrale Bedeutung
der Ausstattung und Infrastruktur ist nicht von der Hand zu
weisen. Für Wirtschaftsvertreter ist dabei wichtig zu
erfahren, auf welche Art und Weise die noch wenig entwickelten
Märkte erschlossen werden können – zudem sind
Erschließungs- und Ausstattungs-Aufträge interessant.
Dabei stellt sich
unweigerlich die Frage: Welche Verantwortung haben die Industrienationen
bei der Vernetzung und Ausstattung von Entwicklungsländern?
Ist die ungleiche Ausstattung mit technischer Infrastruktur
eine Gerechtigkeitsfrage beim Zugang zu Wissen? Und: Wie können
diese Probleme gelöst werden?
Während des
UNO-Gipfels zur Informationsgesellschaft wird sich die Gelegenheit
bieten, die Verantwortung von Politik, Zivilgesellschaft und
Wirtschaft für die Bereitstellung von „Leitungen
& Festplatten“ zu diskutieren. Auch der Frage nach
der Finanzierung und grundsätzlicher Notwendigkeit solcher
Leistungen könnte Beachtung geschenkt werden.
Sie befinden sich
auf der ersten Seite der Rubrik „Leitungen
& Festplatten “ im Oberthema „digitale
Spaltung“. In unseren Rubriken finden Sie folgende Formate:
Expertenstatements; Artikel „Aus der Praxis“;
Artikel „Aktuelles“; Links zum Thema und vieles
mehr.
- Zurück zur Rubrik "Festplatten & Leitungen"
- Zum Forum
"Festplatten & Leitungen"
|