Domainregistrierung
hinter Gittern
Internet
im Irak bleibt problematisch – und das nicht nur, weil
der Mann, der die .iq-Adressen vergeben darf, in einem texanischen
Gefängnis einsitzt
Wer eine
Internetdomain mit der Endung .iq reservieren möchte,
muss sich wohl ins „Seagoville Jail“ in Nordtexas
begeben. Dort sitzt seit Dezember 2002 der offizielle Ansprechpartner
für das irakische Internet ein: Herr Bayan Elashi, angeklagt
wegen finanzieller Unterstützung der Hamas. Dem gebürtigen
Palästinenser, der seit über 25 Jahren in den USA
lebt, wurde 1997 von der IANA
das alleinige Recht zugesprochen, Adressen unterhalb der Top-Level-Domain.iq
zu vertreiben.
.iq-Adressen
unauffindbar
Elashi
hatte offenbar aber kein Interesse daran, .iq-Adressen zu
verkaufen. Zwar sollen etwa 200 Domains vergeben worden sein,
doch aufzufinden sind diese nicht. Nicht einmal die staatliche
Internet-Gesellschaft Uruklink besaß eine iq-domain,
sondern firmierte unter der Adresse www.uruklink.net. Seit
März ist diese Seite allerdings unauffindbar. War sie
zunächst noch über die numerische IP-Adresse erreichbar,
so ist sie mittlerweile völlig verschwunden. Der Registrar,
„domaininfo.com“, will dafür keine Gründe
kennen – wahrscheinlich sei der Server ausgefallen.
Was tatsächlich mit der –ohnehin mickrigen- Internet-Infrastruktur
im Irak geschehen ist, lässt sich kaum sagen. Die Suche
nach Antworten wirft mehr an Fragen als Lösungen auf.
Wird
Uruklink wieder aktiv?
Doch jetzt
gibt es wieder Lebenszeichen von Uruklink. Die Gesellschaft,
die das irakische Internet kontrollierte und Regierungspropaganda
verbreitete, stellt mit Hilfe eines Satelliten ansatzweise
den Anschluss ans weltweite Netz her. Wie der
Spiegel meldet, haben Ingenieure von Uruklink einen Satellitenempfänger
aus dem ausgebrannten Informationsministerium retten können
und im Westen Bagdads aufgebaut. Damit soll bald für
etwa 50 Rechner ein Internetzugang möglich sein.
Wer
darf die irakische Top-Level-Domain managen?
Im allgemeinen
Chaos der Nachkriegszeit bleibt der Start der irakischen Top-Level-Domain
(TLD) ungewiss. Ob die USA mit einem wegen Unterstützung
terroristischer Aktivitäten angeklagten Domain-Registrar
einverstanden sind, darf bezweifelt werden. Die Regierung
werde daher versuchen, auf möglichst unauffällige
Weise die TLD an eine genehmere Organisation zu übertragen,
vermutet ein Journalist des britischen Online-Magazins
„The Register“.
ICANN und
IANA, die für die Vergabe der Landeskürzel und
die Verteilung der Adressblöcke zuständig sind,
sehen derzeit allerdings keinen Handlungsbedarf. Sie verweisen
auf ihre Statuten,
nach denen die Berufung eines Managers für die Landesdomain
in enger Abstimmung mit der Regierung und der „Internet-Community“
vorgenommen wird. Letztere sei aber nicht erkenntlich. Zu
dieser Einsicht möchte man die ICANN beglückwünschen:
ohne Internetzugang hat es eine Netzgemeinschaft in der Tat
schwer.
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