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Torsten Arndt Datum:Wednesday, 03. November 2004
Von: Torsten Arndt <toarndt@gmx.de>
An:redaktion@politik-digital.de
URL: keine Homepage

Aufbruch im Netz

Die Bilder aus Afrika, die uns in den Nachrichten regelmäßig gezeigt werden, lassen kaum glauben, dass sich auch dieser Kontinent aufgemacht hat, den Cyberspace zu erobern. Das Beispiel Mercy Wambuis zeigt, dass diese Eroberung schon weiter fortgeschritten ist, als viele denken. Die Kenianerin arbeitet für die UNECA (United Nations Economic Commission for Africa) und engagiert sich besonders für die Integration afrikanischer Frauen in die Netzgesellschaft.

Afrika hat in den letzten Jahren trotz der eher ernüchternden politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Fortschritte auf dem Gebiet der Internet-Anbindung gemacht. Waren 1996 erst 11 Länder an das Netz angeschlossen, so haben heute alle Staaten eine permanente Verbindung. Auch die Zahl der ständig angeschlossenen Computer ist steil angestiegen, von 1999 bis 2000 allein um 20-25%.

Dass das digitale Nord-Süd-Gefälle trotzdem noch lange nicht überwunden ist, zeigt ein relativierender Blick auf diese Zahlen: Während in Europa ca. 41% der Bevölkerung online gehen, sind es in Afrika nur etwa 0,5%. Die Zahl der permanent verbundenen Computer entspricht trotz der starken Zunahme immer noch etwa dem Niveau eines kleinen Landes wie Lettland. Zudem hat sich das Wachstum der Internetzugänge vor allem auf die Hauptstädte konzentriert, weite Landesteile sind in der Regel von der Entwicklung ausgeschlossen.

Zum Teil lassen sich die Diskrepanzen zwischen der Nord- und Südhalbkugel auf die großen Kostenunterschiede zurückführen: Für 1 Stunde im Internet müssen Afrikaner im Durchschnitt umgerechnet etwa 7,50 DM bezahlen. Zum Vergleich: In Deutschland zahlen Surfer nur noch selten mehr als 2 DM für die Stunde. Angesichts der verbreiteten Armut in Afrika wundert es nur wenig, dass diese Summe für die meisten eine unüberwindliche Hürde darstellt.

Andere gravierende Probleme bereiten die vielen verschiedenen Sprachen, der verbreitete Analphabetismus und der Mangel an technischem Know-How. Mercy Wambui sieht die Möglichkeit, wenigstens einige dieser Probleme zu lösen und fordert die Entwicklung nationaler Informations- und Kommunikationsstrukturen. Sie setzt sich dafür ein, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine gerechte und sinnvolle Nutzung der entsprechenden Technologien ermöglichen.

Afrika wird bei der Implementierung dieser Technologien die Eigenheiten afrikanischer Kulturen berücksichtigen müssen. In der Vergangenheit wurde oft vorausgesetzt, dass sich westliche Werte und Interessen einfach übertragen lassen. Praktisch bedeutete dies auch, dass die Inhalte der Angebote kaum Bezug zum Alltag in afrikanischen Ländern hatten. Manche Kritiker der westlichen Dominanz befürchten zudem den Verlust kultureller Identitäten und die Entstehung einer kommerzialisierten Allerweltskultur.

Gleichberechtigung im Internet

Ein anderes Problem des afrikanischen Internetaufbruchs bewegt Mercy Wambui besonders: In Afrika sind Frauen bisher im Zugang zu den neuen Technologien stark unterrepräsentiert und profitieren kaum von der Entwicklung. Zu geringe finanzielle Mittel und eine ungenügende Ausbildung gehören auch hier zu den Hauptursachen für die Benachteiligung. Dazu kommen die immer noch weit verbreiteten Vorurteile einer von Männern dominierten Gesellschaft, die Frauen ein technisches Verständnis generell abspricht.

Dieser Zustand soll sich ändern. Neben der UNECA gehört vor allem die APC (Association of Progressive Communication) zu den Organisationen, die sich hier besonders engagieren. Ihr Womens-Networking-Support-Program für die Region Afrika versucht, die Netz-Gleichheit der Geschlechter auf dem Kontinent durch Forschung, Informationen und Bildungsangebote zu fördern.

Das APC-Programm steht in engem Kontakt zu WomenAction, einer anderen wichtigen Organisation zur Förderung der Frauenrechte. WomenAction möchte nicht nur den Internet-Zugang weiblicher Nutzer fördern, das Netzwerk aus vielen internationalen NGOs hat es sich auch zum Ziel gesetzt, das klischeebeladene Frauenbild im Netz zu überwinden.

Berufen können sich diese Initiativen auf die Peking+5 Konferenz, die als ein Meilenstein für Frauen auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung und besseren Zugangsmöglichkeiten zu neuen Technologien gilt. Das von der UNO initiierte NGO-Treffen fand im Juni 2000 in New York statt und zog eine Bilanz des Erreichten seit dem ersten Treffen in Peking 1995. Dort war eine Grundsatzerklärung zur Durchsetzung der Gleichberechtigung der Frauen verabschiedet worden.

Dank solcher Initiativen und Organisationen wie der UNECA, WomanAction oder der APC beginnen die Regierungen auf dem Kontinent langsam zu verstehen, dass die technologische mit der gesellschaftlichen Entwicklung einher gehen muss. Mercy Wambui ist in dieser Hinsicht gleich in mehrerer Hinsicht Vorbild für andere.

Zuerst erschienen bei politik-digital.de am 15.11.2001

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